Bewegende Kunst

Kleinstmotoren - Wegen ihrer geringen Leistungsaufnahme eignen sich DC-Motoren für mobile Anwendungen auch für ungewöhnliche Einsatzbereiche, zum Beispiel in den bewegten Skulpturen des niederländischen Künstlers Bert Schoeren.

25. März 2019
Bewegende Kunst
Das Solar-Mobile »Netzwerk« hängt im Trainingszentrum des niederländischen Energiekonzerns Alliander in Duiven. (Bild: Faulhaber)

Blätter rascheln im Wind, Wolken ziehen über den Himmel, Wellen wogen auf und ab. Für den Blick auf diese ständige Veränderung in der Natur hat die Evolution das menschliche Auge konzipiert. Offenbar sind diese ständigen, in ihren Details unvorhersehbaren und damit im schönsten Sinne des Wortes »chaotischen Bewegungen« sehr gut für die menschliche Seele. Warum sonst würde ein Kaminfeuer oder ein Aquarium eine so beruhigende Wirkung entfalten?

Diesem Prinzip der chaotischen Bewegung folgen auch die kinetischen Skulpturen von Bert Schoeren. Wenn der niederländische Künstler seine Werke in Museen präsentiert, stehen deshalb immer früher oder später Stühle um sie herum: »Ich weise nie darauf hin, denn die Aussteller kommen schnell von selbst darauf, dass die Möbel gebraucht werden«, erzählt der gelernte Ingenieur für Industriedesign. »Die Besucher wollen verweilen und dem Tanz der Objekte zuschauen.«

Natürliche Antriebsenergie

Die Natur dient Schoeren aber nicht nur als Quelle der Inspiration, sondern liefert auch die Antriebsenergie für seine Skulpturen. Stehen sie draußen, sind es meist Wasser- oder Windenergie, in Innenräumen nutzt er mit Vorliebe die Sonnenstrahlung, wie etwa im Solar-Mobile »Netzwerk«. Es hängt im Trainingszentrum des niederländischen Energiekonzerns Alliander in Duiven.

Hier, im gläsernen Foyer, finden sich die idealen Voraussetzungen für Schoerens Sonnen-Skulpturen: viel Platz und Tageslicht. Das Gebäude ist passenderweise auch noch ein Aktiv-Haus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. »Ich habe festgestellt, dass technisch orientierte Menschen solche Kunstwerke sehr mögen«, erzählt der Künstler. »Außerdem betonen die Solar-Mobiles per Definition den Aspekt der Nachhaltigkeit, der bei vielen Unternehmen eine immer größere Rolle spielt.«

Das Mobile besteht aus 135 farbigen Platten mit Solarelementen und kleinen Propellern – also Produzenten und Verbrauchern von Energie, wie der Künstler erklärt. Immer wenn die Sonne in das Foyer scheint, beginnen die kleinen Paneele Strom zu erzeugen, jeweils unterschiedlich viel, da sie in verschiedenen Winkeln zum einfallenden Sonnenlicht stehen. Die aufgefangene Sonnenenergie wird in kleinen Akkus gespeichert. Sobald ein Akku geladen ist, beginnt sich der Propeller für eine kurze Zeit zu drehen und damit einen Arm des Mobiles in ein gemächliches chaotisches Kreisen zu versetzen. Mit jeder Bewegung formiert sich das Kunstwerk zu einer neuen, unvorhersehbaren Struktur, belebt den Raum und seine Atmosphäre.

Die Suche nach dem effizientesten Kleinstmotor

Die Kraft der Sonne ist in einem Gebäude allerdings selbst bei großzügigster Glasfassade drastisch reduziert. Von 100.000 Lux im Freien kommen drinnen höchstens 2.000 Lux an. Die Stromversorgung der kleinen Paneele ist also alles andere als üppig.

Um die knappe Energie optimal zu nutzen, hat sich Schoeren deshalb für den Propellerantrieb auf die Suche nach dem effizientesten Kleinstmotor gemacht. Er hat eine Reihe verschiedener Modelle ausprobiert und nach Abschluss der Tests einen klaren Sieger ermittelt: den DC-Kleinstmotor 1224…SR von Faulhaber. Der kleine Motor mit nur zwölf Millimeter Durchmesser kann trotz der gedämpften Kraft der Sonnenstrahlen ausreichend mechanische Leistung erzeugen, um die meditative Bewegung des Mobiles zu bewerkstelligen. Das ist im Wesentlichen seinem Funktionsprinzip zu verdanken: Faulhaber-DC-Motoren unterscheiden sich von herkömmlichen DC-Motoren durch den Rotor. Dieser ist nicht auf einen Eisenkern gewickelt, sondern besteht aus einer freitragenden, in Schrägwicklung hergestellten Kupferwicklung. Deshalb ist der Rotor sehr leicht und überzeugt durch ein äußerst geringes Trägheitsmoment, rastmomentfreien Lauf sowie hohe Dynamik. Bei Motoren mit kleiner Leistung haben sich zudem Edelmetall-Kommutierungssysteme wegen ihres geringen Übergangswiderstandes bestens bewährt.

Da es die Motoren mit Durchmessern von sechs bis 22 Millimetern und eine umfangreiche Auswahl an hochauflösenden Encodern, Präzisionsgetrieben und Steuerungen gibt, eignen sie sich laut Angaben des Herstellers für viele Anwendungen, die nach effizienten Kleinstantrieben mit extrem niedriger Stromaufnahme und Anlaufspannung verlangen.

Ein typischer Einsatzbereich sind batteriebetriebene, tragbare Geräte. Dabei können die Antriebe ohne Weiteres auch für besondere Kundenanforderungen modifiziert werden. Zu den gängigen Anpassungen zählen zum Beispiel Vakuumtauglichkeit, Erweiterungen des Temperaturbereichs, modifizierte Wellen, zusätzliche Spannungstypen, kundenspezifische Anschlüsse, Stecker und vieles mehr.

Hannover Messe: Halle 15, Stand H29

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 76 bis 77