Vier Fragen an ...

Carl-Friedrich zu Knyphausen

Das Münchner Unternehmen Magazino entwickelte einen Roboter, den Zalando derzeit in Erfurt testet. Die Details dazu kennt der Leiter Logistikentwicklung des Online-Versandhändlers.

21. Februar 2019
Carl-Friedrich  zu Knyphausen
Carl-Friedrich zu Knyphausen: Der Head of Logistics Development bei Zalando hat die Toru-Roboter bei ihren ersten Schritten begleitet. (Bild: Zuumeo GmbH)

Herr zu Knyphausen, was sind die Vorteile des Toru-Roboters, und wofür setzt Zalando ihn ein?

Toru ist ein autonomer Roboter, der durch die eingebauten Kameras seine Umwelt wahrnimmt, sich orientieren und neben dem Menschen arbeiten kann. Wir testen derzeit, wie wir ihn als autonomen Kommissionierroboter, also im Stow und Pick, einsetzen und in unsere bisherigen Prozesse integrieren sowie die Mitarbeiter unterstützen können.

Die Idee ist, dass er den Logistikmitarbeitern unergonomische Tätigkeiten, wie das Herunterbeugen und Weit-nach-oben-Strecken beim Kommissionieren von Produkten aus den höchsten oder niedrigsten Regalebenen, abnimmt. Allerdings kann Toru derzeit nur Kartons greifen, das heißt in der Regel Schuhe. Noch sind wir im Testbetrieb – das heißt, es werden größtenteils Testbestellungen an die Roboter von Magazino gegeben. Die Roboter haben aber auch schon die ersten Kundenbestellungen bearbeitet. Erhält ein Roboter einen Auftrag, entwirft er den besten Laufweg mit seinem eigenen Navigationssystem. Gemeinsam mit Magazino arbeiten wir daran, dass Toru immer besser und schneller wird.

Wie agiert der Roboter mit dem Menschen?

Der Roboter sieht, wenn ein Mensch seinen Weg kreuzen möchte, und wartet entsprechend ab, bevor er weiter seiner Aufgabe nachgeht.

Im Pick fährt Toru also zu den Regalen und arbeitet seine Pickliste ab, wie der Mitarbeiter auch. Mit integrierten Kameras sowie Scannern identifiziert und lokalisiert Toru die richtigen Artikel im Regal, nimmt sie mit seinem Sauggreifer aus dem Regal, verstaut sie in seinem Rucksack und fährt anschließend zur Übergabestation, um sie abzulegen.

Wie passt der Test mit den Magazino-Robotern in die Strategie für Zalandos Logistik?

Seit dem Bau unseres ersten Logistikzentrums in Erfurt 2012 investieren wir in Automatisierung. Schon beim Aufbau unserer Fördertechnik lag der Fokus darauf, dass die Technik die Produkte zu unseren Mitarbeitern bringt und ihnen somit Laufwege erspart und sie entlastet. Ein weiteres Beispiel sind unsere Taschensortierer in Mönchengladbach und Lahr, die unseren Kollegen unergonomische Bewegungen abnehmen. Perspektivisch könnte das bei Toru ähnlich sein, das wird aber noch etwas dauern. Die Investition in Automatisierung und das Testen von Robotiklösungen ist daher der nächste logische Schritt für Zalando und unsere Logistikstrategie.

»Seit dem Bau unseres ersten Logistikzentrums in Erfurt 2012 investieren wir in Automatisierung.«

— Carl-Friedrich zu Knyphausen, Head of Logistics Development bei Zalando

Was können wir in Zukunft von der Automatisierung im Bereich Logistik erwarten?

Wir werden weiterhin verschiedene Technologien testen, bis wir, wie beim Taschensortierer in Lahr und Mönchengladbach, genau die richtige Lösung für uns gefunden haben. Dafür ist der Austausch mit unseren Partnern und Kollegen in der Branche sehr wichtig. In unserem Logistikzentrum in Erfurt haben wir uns beim Magazino-Expertenpanel mit über

40 Vertretern erfolgreicher e-Commerce-Unternehmen und Logistikdienstleistern getroffen und über den Einsatz neuer Technologien gesprochen. In den verschiedenen Workshops war eine Kernfrage, wie Maschinen künftig den Menschen unterstützen können. Ich kann mir vorstellen, dass die Technologie auch in Zukunft verstärkt zur Hilfe bei manuellen Prozessen eingesetzt wird, da Faktoren wie steigende Anforderungen an Ergonomie und Arbeitsschutz den Einsatz vorantreiben werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 5 bis 66