Der Mac unter den Robotern

Fabian Bremauer - Der Head of Operations bei GermanRobotics legt im exklusiven Interview mit Redakteur Oliver Krüth die Chancen des deutschen Robotik-Marktes dar, erörtert die Vorzüge des Design-prämierten Panda und skizziert die Herausforderungen der digitalen Transformation.

18. Dezember 2019
Der Mac unter den Robotern
Fabian Bremauer ist Head of Operations bei GermanRobotics im oberbayerischen Sauerlach. (Bild: GermanRobotics)

Herr Bremauer, die Zahlen des World Robotics Reports haben für 2019 ein Nullwachstum im Vergleich zu 2018 prognostiziert. Es ist so gekommen. Welche Ursachen sehen Sie für diese enttäuschenden Zahlen?

Die Zahlen der IFR beziehen sich auf den Robotermarkt im Allgemeinen. Das ist auch logisch so, da die Großindustrie schon einen sehr hohen Automatisierungsgrad hat und die aktuellen Probleme in der Automobilindustrie die hohen Anschaffungskosten der klassischen Robotik nicht rechtfertigen. Auf die kollaborative Robotik bezogen sehen die Zahlen jedoch sehr viel positiver aus. Hier können wir mit einem deutlichen Wachstum rechnen.

Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für GermanRobotics?

Der deutsche Markt ist als Heimatmarkt natürlich sehr attraktiv. Einerseits wegen der lokalen Vorteile. Andererseits ist es für uns auch eine Herzensangelegenheit, den heimischen Unternehmen die Automatisierung nahezubringen. Gerade unsere vielen Mittelständler haben nun die Möglichkeit von der Automatisierung zu profitieren und somit die Wertschöpfung im Lande zu behalten.

Was sind mit Blick auf den deutschen Markt die strategischen Themen für das Jahr 2020?

Das Wichtigste für den deutschen Markt ist unseres Erachtens die Aufklärungsarbeit. Daher werden wir strategisch in den verschiedensten Teilen Deutschlands Events und Veranstaltungen durchführen, um den deutschen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, den Panda anzufassen und zu verstehen, wie einfach Automatisierung sein kann.

Der Panda von Franka Emika ist ein ausgesprochen schicker Roboter. Was bedeutet Ihnen die Designsprache?

Der Panda ist nicht nur technisch ein Meisterwerk, auch optisch wurde er bereits mit dem IF Design Award 2019 ausgezeichnet. Wir sehen das Design auch als entscheidendes Element, um die Ängste und Vorbehalte zu lindern. Die gelungenen Rundungen des Pandas machen ihn attraktiv und lassen ihn auch optisch sehr gut in alle Fertigungslinien integrieren.

Sie sprechen statt von einem Roboter lieber von einer Hilfe für den Werker. Ist der Begriff Roboter negativ konnotiert?

Ja, wir merken durchaus, dass in den Köpfen der meisten Entscheider und auch der Mitarbeiter in der Produktion das Wort Roboter noch Bilder von schweren, eingezäunten, komplizierten und folgekostenschweren Maschinen eingeprägt sind. Das Wichtigste ist daher das Wissen zu vermitteln, wie ungefährlich und günstig diese neue Art von Roboter ist – diese neue Art von Werkzeug.

»Der Panda ist nicht nur technisch ein Meisterwerk, auch optisch wurde er bereits mit dem IF Design Award ausgezeichnet.«

— Fabian Bremauer, Head of Operations bei GermanRobotics

Sie sagen offen, dass der Panda Arbeitsplätze ersetzt – aber nur jene, an denen ohnehin keiner arbeiten mag. Da die Programmierung selbst für Geringqualifizierte ohne Technikerausbildung in einem Tagesseminar zu erlernen sei, könne sich jeder seinen Arbeitsplatz »zurückerobern«. Warum wird dann nicht an allen unergonomischen und stumpfsinnigen Arbeitsplätzen mit einem Panda gearbeitet? Ist es eine Frage der Wirtschaftlichkeit?

Es ist sicherlich keine Frage der Wirtschaftlichkeit. Mit einem Anschaffungspreis von etwa 20.000 Euro lässt sich der Panda mit einem ROI von unter eins sehr gut in die Unternehmen integrieren. Die Gründe, warum noch nicht alle Unternehmen auf den Zug aufgesprungen sind, liegen an der noch fehlenden Aufklärung. Zu- sammen mit unserem Partner, dem MittelstandsCampus, ist ebendies eine unserer Kern- aufgaben in den nächsten zwölf Monaten. Wir sind überzeugt davon, dass mit wachsendem Wissen auch der Automatisierungsgrad bei deutschen Unternehmen stark ansteigen wird.

Können Sie bereits sagen, was Sie auf der automatica im kommenden Jahr an neuen Produkten zeigen werden?

Auf der kommenden automatica werden wir zusammen mit verschiedenen Partnern unterschiedliche Applikationen und Erweiterungen zum Panda zeigen. Neben einer Roboterhand von QB Robotics aus Italien, werden wir verschiedene brandaktuelle App- Pakete für den Panda vorstellen. Das ganze System des Pandas beruht auf einer App-basierten Steuerung. Eine Erweiterung des App-Portfolios bringt somit einen direkten Mehrwert für alle Kunden von uns.

Universal Robots und Igus verschieben die Preisgrenze bei Knickarmrobotern immer weiter nach unten. Wie reagiert GermanRobotics darauf?

Auch wenn der Panda immer wieder mit einem UR3 von Universal Robots verglichen wird, wollen wir uns nicht auf einen Preiskampf einlassen. Technisch sprechen wir hier nämlich von zwei komplett unterschiedlichen Produkten. So bietet der Panda sieben, statt sechs Achsen. Die Messung der Kräfte erfolgt beim Panda über Drehmomentsensoren, die in allen sieben Achsen des Roboters verbaut sind. Das macht es letztlich möglich, dass der Roboter ›fühlen‹ kann. Ein Einfügen von Teilen in eine Vorrichtung kann somit nicht nur mit linearen Koordinaten, sondern mit dem ›Fühlen‹ des Roboters vorgenommen werden, was die Flexibilität deutlich erhöht. Daher möchten wir uns nicht über den Preis, sondern mit den Möglichkeiten und der Qualität von der Konkurrenz abgrenzen. Mit einem Preis von durchschnittlich 20.000 Euro ist der Panda für die Möglichkeiten, die er bietet, immer noch ein sehr günstiges Werkzeug.

Ein aktuelles Mega-Thema ist die digitale Transformation. Wie stellt sich diese Herausforderung für Ihr Unternehmen dar?

Wir sehen die digitale Transformation als große Chance, uns von anderen Märkten abzuheben, neu zu erfinden und zu optimieren. Wir haben es geschafft, nahezu komplett papierlos zu arbeiten und alle unsere Prozesse digital abzubilden. Das schafft Nachhaltigkeit, Prozesssicherheit und Effizienz.

Welche digitalen Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsnetzwerke haben Sie bereits entwickelt? Was können wir noch erwarten?

Wir haben vor kurzem eine App für den Panda vorgestellt, die neue Funktionen wie eine virtuelle Barriere oder eine Funktion, Wenn-Dann-Funktion, ermöglicht. Selbstverständlich arbeiten wir an weiteren Lösungen, um unseren Kunden die höchste Flexibilität mit dem Panda zu ermöglichen.

Die digitale Transformation ist nicht nur eine Herausforderung für das Management, sondern auch für Ihre Mitarbeiter. Deren kontinuierliche Weiterbildung spielt hier sicherlich eine zentrale Rolle. Wie gehen Sie diese Herausforderung an, mit internen Ressourcen oder externen Dienstleistern?

Wir erachten eine Mischung aus beiden Ansätzen als zielführend. Das Management nimmt regelmäßig an Informationsveranstaltungen zum Thema Digitalisierung teil, um zu ermitteln, welche Bereiche der GermanRobotics noch Nachholbedarf haben. Wird gemeinsam entschieden, an welchen Baustellen noch zu arbeiten ist, werden interne Schulungen für unsere Mitarbeiter gehalten, um diese möglichst früh abzuholen.

Haben Sie in Ihrer Arbeitsorganisation Anpassungen vorgenommen, um disruptive Innovationen oder Intrapreneure im Unternehmen zu fördern und in den Prozess der digitalen Transformation einzubinden?

Unsere Mitarbeiter werden in die Lösungsfindung in Bezug auf die Umstrukturierung des Unternehmens einbezogen. Das erhöht die Kreativität und Unternehmensbindung der Mitarbeiter. Sobald sich unsere Mitarbeiter für Ihren Job wirklich verantwortlich fühlen, können Sie beste Leistungen an den Tag legen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2019
Seite: 5 bis 43