Vier-Zonen-Steuerung

Einfach optimiert

Staudrucklose Fördersysteme sind unerlässlich für die intelligente Verteilung und Zuführung von Waren. Die Steuerung Multicontrol des Spezialisten Interroll übernimmt die bedarfsgerechte Kontrolle des Warenstroms.

05. November 2018
Bild: Interroll
(Bild: Interroll)

Anspruchsvolle Anwendungen im Automatisierungsbereich erfordern praktisch immer einen vereinzelten Transport der Güter im Materialfluss. Hierzu lassen sich staudrucklose Förderer einsetzen, zum Beispiel wenn eine Verpackungsmaschine oder eine Etikettieranlage in den Förderfluss integriert werden muss. Staudrucklos arbeitende Systeme werden in Förderzonen unterteilt. Jede Zone wird durch eine mit Schutzkleinspannung versorgte Motorrolle angetrieben – das ermöglicht eine kompakte Bauweise. Eine Motorrolle in einer Förderzone läuft nur dann, wenn tatsächlich auch Fördergut zu bewegen ist. Dieses intelligente Antriebskonzept spart laut dem Materialflussexperten Interroll im Start-Stopp-Betrieb bis zu 50 Prozent an Energie im Vergleich zu zentralen Antriebslösungen mit 400-Volt-Getriebemotoren, die im Dauerbetrieb laufen. Gleichzeitig sorgt ein Geräuschniveau von 50 Dezibel bei den Motorrollen für eine verbesserte Arbeitsumgebung mit deutlich geringerer Lärmbelastung.

Noch leistungsfähiger

Um die Steuerung von dezentral angetriebenen Förderstrecken, bei denen Motorrollen integriert sind, noch komfortabler und leistungsstärker zu gestalten, hat der Schweizer Fördertechnikspezialist vor Kurzem seine Vier-Zonen-Steuerung Multicontrol weiter optimiert. Sie biete Anlagenbauern und Systemintegratoren eine noch größere Flexibilität bei der Realisierung von zukunftsweisenden Anwendungen, so das Unternehmen. Die Steuerung erlaube die einfache Auswahl der industrieweit am stärksten verbreiteten Standardprotokolle wie Profibus, Ethernet/IP und Ethercat und damit den Einsatz von zukunftssicheren Kommunikationsverbindungen. Zudem kann sie problemlos in Tiefkühlumgebungen eingesetzt werden. Ein wesentlicher Vorteil der Steuerungslösung besteht darin, dass Sensoren und Motorrollen, also die bewährten Rollerdrive von Interroll, direkt in die Feldbusebene integriert werden können.

Eine weitere Sensoren/Aktoren-Ebene mit zusätzlichen Gateways wird damit überflüssig. Zwei getrennte Stromkreise erlauben zudem ein sicheres Ausschalten der Rollerdrive, während die Buskommunikation aktiv bleibt. Die Multicontrol kann vier Förderzonen steuern. Insgesamt lassen sich somit bis zu vier Rollerdrive und acht Sensoren anschließen. Die Adressierung und Konfiguration erfolgt je nach Bedarf durch eine SPS-Software, ein Webbrowser-Menü oder mittels des Interroll-Teach-in-Verfahrens. 

Mit dem Teach-in-Verfahren wird die Reihenfolge der Multicontrol-Steuerungen in der Förderlinie erfasst und die richtige Drehrichtung aller Rollerdrive eingestellt. Dieses Verfahren spart Zeit während der Inbetriebnahme vor Ort. Wer dagegen auf den Einsatz einer SPS setzt, kann zwischen unterschiedlichen Prozessabbildern wählen. Dies ermöglicht laut Anbieter eine optimale Lösung zwischen Datenvielfalt und SPS-Kapazität. Die Multi-control kommuniziert in Echtzeit mit der SPS. 

Konzentration auf das Wesentliche

»Ein zentraler Vorteil der Multicontrol besteht darin, dass sich diese Steuerungslösung sehr flexibel an die Wünsche der jeweiligen Anwender anpassen lässt. Die intelligente Förderlogik der Multicontrol erlaubt den Aufbau eines staudrucklosen Förderers ohne aufwendigen SPS-Programmieraufwand«, erklärt Daniel Heinen, Global Product Manager Rollers & Rollerdrive bei Interroll.

»Programmierer können sich damit auf die wesentlichen Entscheidungspunkte im System konzentrieren und über die SPS bei Bedarf in den Förderprozess eingreifen sowie das Gesamtsystem auf Monitoren im Leitstand visualisieren. Dies ist daher auch die am häufigsten genutzte Anwendungsmöglichkeit.« Darüber hinaus können aber auch autonome, staudrucklos agierende Förderer ganz ohne SPS realisiert werden. Hierzu wird die integrierte Logik der Multicontrol genutzt. Wer eine spezielle Logik einsetzen will, kann die Steuerung zudem als Ein-/Ausgabegerät (I/O) verwenden. Die vorhandene Logik für staudruckloses Fördern wird dann ignoriert.

Prozessabbilder

Die angeschlossene SPS erhält alle Sensor- und Rollerdrive-Informationen und passt über eine entsprechende Programmierung den Materialfluss an die Bedürfnisse des Anwenders an. Heinen dazu: »Mit der Multicontrol erhalten Anwender die Möglichkeit, über offene und standardisierte Protokolle transparent den Anlagenzustand in Echtzeit zu überwachen eine Grundvoraussetzung für smarte Materialflusssysteme.

Gleichzeitig können sie bei Bedarf die Prozessabbilder der Steuerungslogik flexibel auswählen.« Es könne dann entschieden werden, ob sämtliche Parameter oder nur einzelne Informatio-nen, beispielsweise die Stromauf-nahme einzelner Antriebe, ausge-lesen und verarbeitet werden, er-klärt er weiter. »In Zukunft wird es sogar möglich sein, weitere Daten auszulesen, zum Beispiel für die vorbeugende Wartung. Das System wird dann zum Türöffner für die Welt der Industrie4.0.«

Erhöhter Schutz

Doch nicht nur für anspruchsvolle Anwendungen, auch für Sicherheit ist gesorgt: Die Multicontrol biete einen erhöhten Schutz gegen die Verpolung der Spannungsversorgung. Kommt es zu diesem Fall, nimmt die Steuerung keinen Schaden. Dies gilt auch für das Kurzschließen der Spannungsversorgung für die Ein- und Ausgänge – diese sind kurzschlussfest ausge-führt.

Beide Aspekte erhöhen die Fehlersicherheit bei der Inbetriebnahme. Zudem kann der Schirm der Kommunikationsleitung über die Multicontrol auf einfache Weise mit Erde verbunden werden. Dies ermöglicht sicherere Kommunikation in potenziell störanfälligen Anlagen und damit eine hohe Anlagenverfügbarkeit. 

SPS IPC Drives: Halle 1, Stand 430

Erschienen in Ausgabe: 07/2018

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