»Erfahrung weitergeben«

Hartmut Hoffmann - Der Geschäftsführer von RK Rose+Krieger spricht mit Redakteurin Marie Christin Wiens über Innovationskultur, den Sinn von Digitalisierung sowie die Motek.

30. September 2019
»Erfahrung  weitergeben«
Hartmut Hoffmann ist seit 2008 Geschäftsführer von RK Rose+Krieger. (Bild: RK Rose+Krieger)

Herr Hoffmann, zum achten Mal in Folge sind Sie als eines von 100 Unternehmen als Top- 100-Innovator gekürt worden. Wie schaffen Sie es, Ihre Innovationskraft hochzuhalten? Wie kommen Sie auf neue Ideen und bringen diese bis zur Marktreife?

Unsere Mitarbeiter trauen sich, Ideen vorzuschlagen, und haben Spaß am Erfolg. Die Verbesserungen dienen nicht der Kostenreduzierung zur Personaleinsparung, sondern erhöhen unsere Wettbewerbsfähigkeit, damit wir kontinuierlich wachsen können. Wir haben ein betriebliches Vorschlagswesen und jeder, der zum Beispiel einen Produktvorschlag einreicht, erhält als Dankeschön eine Ideen-Kaffeetasse. Alle Vorschläge werden im Team systematisch nach Attraktivität und Machbarkeit bewertet und priorisiert. Der Einreichende erhält selbstverständlich immer eine Rückmeldung.

Ihnen ist es bei Innovationen laut eigener Aussage wichtig, mit Ihren Produkten »Fertigungsprozesse dynamischer zu machen«. Könnten Sie dies einmal an einem konkreten Beispiel aufzeigen?

Dynamisch bedeutet bei uns nicht unbedingt Tempo im Sinne kurzer Lieferzeit, sondern vor allem die Verbesserung der Effizienz und Effektivität. Wir haben bei uns im Versand vier Verpackungsplätze optimiert. Dabei haben wir die Laufwege reduziert, die notwendigen Materialien ergonomisch angeordnet, alles Notwendige in Griffnähe platziert und zusätzlich verschiedene manuelle Verstellungsmöglichkeiten automatisiert. Der gesamte Arbeitsplatz, die integrierte Waage und die Behälter für das zu verpackende Material sind elektrisch verstellbar. Das Füllmaterial wird als Papierpolster ebenfalls auf Knopfdruck bereitgestellt. Die Mitarbeiter im Versand haben den Aufbau und die Anordnung selbst mitentwickelt und sind über die Reduzierung der Belastung sehr erfreut. Wir benötigen insgesamt einen Arbeitsplatz weniger und die erzielte Einsparung liegt zwischen 15 und 25 Prozent.

Die Höhenverstellung der neuen Generation Ihrer Arbeitstische RK Easywork erfolgt mit Hubsäulen. Und Sie haben einen Online-Konfigurator entwickelt, mit dem sich ein Arbeitsplatz zusammenstellen lässt. Warum haben Sie sich zu diesen Entwicklungen entschlossen?

Mittlerweile werden sehr viele neue Arbeitsplätze höhenverstellbar gestaltet. Das Thema Ergonomie und Reduzierung der Belastung der Mitarbeitenden ist zunehmend wichtig. Den Online-Konfigurator haben wir entwickelt, weil die Kunden das heute voraussetzen und eine Übersicht über unsere Möglichkeiten sofort möchten. Das ist nicht immer effektiv und hängt außerdem sehr stark von dem Kenntnisstand des Bedieners ab. In vielen Texten und Seminaren wird oft betont, dass die Kunden das Wissen der Lieferanten stärker nutzen sollten. Ein Online-Konfigurator ist jedoch anonym und widerspricht dem. Wir verkaufen übrigens die meisten Arbeitsplätze mit Be- ratung und freuen uns, wenn wir unsere Er- fahrung weitergeben dürfen und den Kunden nicht bei der Auswahl alleine lassen. Schließlich kennen wir unsere Produkte am besten und können dadurch den Kunden optimal beraten.

Digitalisierung ist in aller Munde. Wo sehen Sie Sinn und Unsinn dabei? Ist Digitalisierung um jeden Preis der richtige Weg?

Momentan geistern viele Schlagworte durch die industrielle Welt. Neben Big Data, Industrial Internet of Things und Digitalisierung gehört die künstliche Intelligenz ebenfalls noch dazu. »Digitalisierung um jeden Preis« ist genauso unsinnig wie: »Wir sparen, koste es was es wolle«. Im Einzelfall ist immer zu prüfen, was sinnvoll ist. Wenn allerdings die Basis noch nicht geschaffen ist, das heißt, die Stammdaten gepflegt, Prozesse und Verantwortlichkeiten definiert und allen mitgeteilt worden sind, macht eine Digitalisierung der Prozessabläufe wenig Sinn. So etwas endet oft im Desaster. Die Digitalisierung optimiert Abläufe, aber sie regelt sie nicht. Das müssen die Firmen vorher selbst festlegen. Dabei dürfen wir nicht ver- gessen, dass digitale Abläufe exzellent für Standardfälle funktionieren. Bei Sonderfällen ist der Mensch nach wie vor unverzichtbar.

Wie gestaltet sich für Ihr Unternehmen die momentane Auftragssituation im Vergleich zum Vorjahreszeitraum?

Momentan ist große Unsicherheit im Markt vorhanden und viele Projekte werden geschoben. Die geopolitischen Verwerfungen, die jeweils mehr oder weniger notwendige Digi- talisierungseinführung und der für mich noch unausgegorene übereilte Wechsel in der Antriebstechnik im Kfz-Bereich verunsichern viele Firmen. Wir richten uns derzeit auf einen Rückgang bis zu fünf Prozent ein.

Wie schätzen Sie die Marktsituation generell ein? Wo sehen Sie Chancen?

Die allgemeine Marktsituation ist momentan sehr schwierig. Die Veränderungen im Automobilbereich erfordern neue Investitionen. Die werden kommen, aber wann? Wenn die Einsicht wächst, dass niemand in einem Zoll- oder Währungskrieg gewinnen kann, wird ebenfalls wieder verstärkt investiert. Für uns sehe ich nach wie vor gute Chancen, weil wir mit unseren Produkten und Lösungen im Umfeld der Automatisierung tätig sind. Dieser Bereich wird nach wie vor weltweit wachsen.

Welche Neu- und Weiterentwicklungen wird Ihr Unternehmen auf der Motek präsentieren?

RK Rose+Krieger ist seit vielen Jahren Partner des Fraunhofer IEM. Das jüngste gemeinsame Projekt – ein dreiachsiges Raumportal für ein System zur roboterbasierten Bearbeitung – präsentieren wir auf der Motek dem Fachpublikum. Ebenfalls erstmals gezeigt werden eine Hubsäulenanbindung für Cobots und die erweiterte Hubsäulensteuerung MultiControl II duo plus für die Ansteuerung von bis zu vier Antrieben beziehungsweise zwei Antriebsgruppen. Überdies zu sehen sind höhenverstellbare Versionen der doppelten und teleskopierenden Monitortragarme, das vollständig überarbeitete Arbeitsplatzsystem RK Easywork und die Doppelwellen-Lineareinheit EPX-II KG.

Motek: Halle 4, Stand 4410/4411

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 54 bis 55