Erfrischend schnell

Management

Versionierungslösung - Vorbeugende Instandhaltung ist bei der Warsteiner Brauerei schon lange geübte Praxis. Gibt es dennoch unvorhergesehene Einsätze der Instandhalter, ist es von Vorteil, dass der aktuellste Softwarestand für jede SPS dank Versiondog zentral abgelegt ist.

18. Oktober 2017
Die Warsteiner Brauerei im Sauerland. Bild: Warsteiner
Bild 1: Erfrischend schnell (Die Warsteiner Brauerei im Sauerland. Bild: Warsteiner)

Diplom-Ingenieur Thomas Wenthaus arbeitet bei dem sauerländischen Familienunternehmen Warsteiner in der Abteilung Betriebsengineering. Die »Automatisierer«, wie Wenthaus seine Abteilung liebevoll nennt, betreuen die bestehenden Prozessanlagen für den Bereich Leittechnik, optimieren Abläufe und entwickeln neue Prozessabläufe in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen, wenn es um Anlagenerweiterungen oder neue Projekte geht. Zur Betreuung der Prozessanlagen gehören die Wartung von Anlagen und das Wiederanfahren von Maschinen oder Anlagenabschnitten.

Für unterschiedliche Betriebsabschnitte hatten die Instandhalter jeweils eigene Sicherungen angelegt und den Zugriff unterschiedlich organisiert. Längst sind die Mitarbeiter auf die Versionierungslösung Versiondog umgestiegen. Wenthaus hat schon mit der Vorgängerversion VersionWorks gearbeitet: »Damals haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, SPS-Pro-jekte zu sichern und diese dann auch zu versionieren.« Zunächst hatte man in einem Teilbereich der Produktion begonnen, für jede SPS die jeweils aktuellsten Daten zu speichern. Nach und nach erstreckte sich das Versions- und Datenmanagement auf immer mehr Bereiche bis hin zur Abfüllung: »Heute ist das gar nicht mehr wegzudenken. Das Ergebnis der zentralen Datenablage ist eine vollständige Änderungshistorie, die die standortübergreifende Arbeit von rund 60 Usern abbildet«, so Wenthaus. Künftig soll auch die Verwaltung der SPS-Programme aller anderen Standorte zentral in Warstein erfolgen.

Ist eine solche Software kosteneffizient? Als Antwort schildert Wenthaus ein Szenario aus seinem Arbeitsalltag: »Wir haben unsere Maschinen stark vernetzt. Steht eine Maschine, stockt womöglich die ganze Abfüllung.« Kosteneffizient sei es eher, keine Zeit zu verlieren. »Dank Versiondog sind wir in der Lage, Fehler viel schneller zu lokalisieren und die Anlage wieder zum Laufen zu bringen.«

Konkret beziffern lasse sich die zeitliche Einsparung nur schwer, sagt Wenthaus, weil es immer davon abhänge, wo der Fehler auftrete. Aber: »Mit Versiondog haben wir ein super Hilfsmittel.« Das gilt in gleichem Maß für die eingesetzten Roboter. »Ein falscher Datensatz und die Abstimmungs- und Parametrierarbeit, vielleicht von Wochen, ist dahin«, beschreibt Wenthaus das Worst-Case-Szenario. »Dann langt der Roboter daneben.« Auch die Einstelldaten von Verpackungsmaschinen sind eine Millimeterarbeit. »Das Schöne bei Versiondog ist, dass man weiß, welche Datensätze wann gesichert wurden und wer was wo und warum geändert hat.«

Zentrales Leitsystem

Über ein zentrales Leitsystem wird die gesamte Produktion gesteuert, was insbesondere in der Abfüllung eine Herausforderung ist, denn hier gibt es vergleichsweise viele einzelne Maschinen, die jedoch miteinander vernetzt sind. Alle Daten werden gesammelt und ausgewertet. Das hat für die Instandhalter durchaus praktischen Nutzen. Über eine statistische Auswertung lassen sich Schwachstellen finden und die Ursache von Ausfällen konsequent abstellen. Prozessdaten werden generell über das Prozessleitsystem verarbeitet und ausgewertet. In der Prozesstechnik der Brauerei gibt es keinen Bypass zur Absicherung. Wenthaus betont, dass die Datensicherung und Versionierung für einen schnellen Neustart unverzichtbar sei.

Austausch vor Reparatur

Alle Steuerungen werden via Versiondog gesichert. Tritt bei einer Baugruppe ein Fehler auf oder fällt sie gar aus, wird nicht lange repariert, sondern 1:1 ausgetauscht, der entsprechende Softwarestand vom Server gezogen, aufgespielt – und die Station oder Anlage läuft direkt wieder. Das erfordert ein gewisses Maß an Disziplin bei Änderungen und Anpassungen einer SPS: Sämtliche Fachkräfte sind gefordert, ihre Arbeit akribisch zu dokumentieren. Das tun sie mittlerweile auch gerne, weil alle Be-teiligten die Vorteile erkannt haben. »Einige Kollegen mussten sich schon daran gewöhnen. Als sie gemerkt haben, dass es total klasse ist, zentral und damit auf einheitliche Projektdaten zugreifen zu können, war Versiondog akzeptiert«, verdeutlicht Wenthaus.

Die Server-Client-Architektur erlaubt es, sich mit jedem beliebigen Programmiergerät anzudocken und über den zentralen Server auf die benötigte Datei oder Softwareversion zuzugreifen. Das Arbeiten mit Versiondog sei sehr einfach und übersichtlich – nicht zuletzt weil Projekte nicht so einfach gelöscht werden können. Hakt es dennoch einmal und reicht die eigene Erfahrung nicht aus, »gibt es ja die Support-Hotline bei Auvesy, wo man uns immer schnell hilft. Wir haben jedoch kaum Probleme. Das System läuft sehr stabil,« lobt Wenthaus die Software.

Neben Projektierungsdaten werden auch Excel-Dokumente versioniert, beispielsweise sind Datenlisten und Vernetzungspläne im System abgelegt. Je nach Prozessrelevanz der Steuerungen werden Backups gezogen. Nicht alle SPSen werden täglich gesichert. Pro Tag sind es etwa 40 Abzüge, pro Woche zwischen 300 und 400.

Versionen verwalten

Mit dem UserClient lassen sich die entsprechenden Versionen verwalten und auch Projekte anlegen. »Diese Oberfläche ist unser täglich Brot«, schildert Wenthaus. Er selbst hat aber immer auch den ReportClient, der bei der detaillierten Fehlersuche hilft, im Blick. Als Administrator für den Bereich Prozessleittechnik arbeitet er zudem regelmäßig mit dem AdminClient, etwa um die automatischen Backups und die Benutzerverwaltung zu konfigurieren.

Versiondog erlaubt die Vergabe ganz unterschiedlicher Zugriffsrechte, je nach Anlagenabschnitt, aber auch nach Entscheidungshierarchie. Die Zusammenarbeit mit Fremdfirmen bei Anlagenerweiterungen läuft dank Versiondog und dem sogenannten Lieferanten-Check-Out reibungslos. Jeder berechtigte User kann diese Funktion ausführen. Eine entscheidende Konsequenz hat die Arbeit mit Versiondog nach Jahren schon, auch wenn es rückblickend vielleicht banal klingen mag: Das Betriebsengineering achtet bei neuen Projekten oder Anlagenteilen darauf, dass die Steuerungen auf jeden Fall vernetzt werden. Wenthaus dazu: »Das sorgt dafür, dass wir problemlos vom Büro aus die aktuellen Projektstände abrufen und bearbeiten können. Das schont unsere Ressourcen und spart Zeit.«

Erschienen in Ausgabe: 07/2017

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