Florian Niethammer

Finale

Die Vision ist als Weltleitmesse für die Bildverarbeitung nahezu konkurrenzlos. Wir sprachen mit dem Projektleiter der Messe über Entwicklungen und Trends der Branche.

15. Oktober 2018
Bild: Landesmesse Stuttgart GmbH
Bild 1: Florian Niethammer (Bild: Landesmesse Stuttgart GmbH)

Herr Niethammer, 2017 ist der Umsatz der deutschen Bildverarbeitungsindustrie um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Für 2018 geht die Branche von einem Plus von sieben Prozent aus. Welche Faktoren spielten dabei eine Rolle? Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang Industrie 4.0?

Der weltweite Automations-Wettlauf der klassischen Industriezweige ist in vollem Gange. Bildverarbeitung ist als Schlüsseltechnologie und Datenlieferant im Kontext von Industrie 4.0 aus der modernen Fabrik nicht mehr wegzudenken. Insbesondere in Asien besteht aufgrund steigender Lohnkosten ein hoher Bedarf an Automatisierung. Hinzu kommen der verstärkte Einsatz von Bildverarbeitung in nicht-industriellen Branchen und der Trend, dass Bildverarbeitungstechnologie zusehends günstiger, kleiner und einfacher in der Anwendung wird. Die genannten Punkte sehe ich als wesentliche Wachstumstreiber. 

Wie spiegeln sich Wachstum und Entwicklungen der Branche in der Vision wider?

Wir freuen uns, dass wir auch 2018 alle Key-player der Branche auf der Vision begrüßen dürfen. Hinzu kommt eine Vielzahl an neuen Playern am Markt. Rund 25 Prozent der aus-stellenden Firmen stellen erstmalig auf der Vision aus. Mit über 460 Ausstellern werden wir erneut wachsen können und belegen zusätzlich nun auch die Galerie des L-Bank Forums Halle1, unserer größten Halle des Stuttgarter Messegeländes. Erstmals kommen über 60 Prozent unserer Aussteller aus dem Ausland. 

Wo ist in den kommenden Jahren verstärkt mit neuen Entwicklungen zu rechnen? 

Aktuelle Megatrends in der Bildverarbeitung, die auch auf der diesjährigen Vision große Sichtbarkeit haben werden, sind die Themen Embedded Vision, Deep Learning und hyperspektrale Bildverarbeitung. Nicht zu vergessen 3D-Bildverarbeitung, aber auch das Thema einer vereinfachten Integration von Bildverarbeitung in die Welt der Maschinensteuerungen mit dem neuen Standard OPC UA Vision. Ich denke, diese Themen werden uns auch in den kommenden Jahren begleiten. 

Als einen Trend im Bereich Objektive machen Experten das Thema Flüssiglinsen aus. Was macht sie so besonders, wo sind sie sinnvoll?

Die Geschwindigkeiten in der automatisierten Qualitätskontrolle nehmen ständig zu. Zu-gleich variieren immer öfter die Losgrößen der zu prüfenden Produkte, was für die eingesetzten Bildverarbeitungssysteme zu häufig wechselnden Arbeitsabständen führt. Diese Tendenz hat Einfluss auf die Entwicklung von Objektiven. Die Integration von Flüssiglinsen in Objektive ermöglicht eine schnelle Fokussierung auf wechselnde Arbeitsabstände. Diese spannende Technologie kann daher Aufgabenstellungen lösen, die bislang für die Bildverarbeitung nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand zu lösen waren. 

In diesem Jahr wird der Vision-Award zum 23. Mal verliehen. Welche Themen und Preisträger der letzten Jahre sind Ihnen besonders stark im Gedächtnis geblieben? 

Der Vision-Award ist stets ein guter Indikator für die kommenden Trends in der Bildverarbeitung. Toll finde ich es, zu sehen, dass der Award Unternehmen und deren Innovation zusätzlich Sichtbarkeit am Markt gibt. Ein schönes Beispiel dafür war, als 2014 die damals noch sehr junge Firma Odos Imaging aus Schottland den Award mit einer Einreichung zum Thema 3D-Time-of-Flight-Bildverarbeitung gewonnen hat. 

Erschienen in Ausgabe: 06/2018

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