Fünf auf einen Hub

Montage - Tox Pressotechnik zeigt in der Serienfertigung von Pkw-Stirnwänden, bei der sich in einem Hub fünf Muttern und Bolzen setzen lassen, wie sich mit Systemlösungs- kompetenz für Produktionseinrichtungen wirtschaftliche Komplettlösungen anbieten lassen.

30. September 2019
Fünf auf einen Hub
4-Säulenpresse MAG 200 mit pneumohydraulischem Antrieb Kraftpaket X-K 170. (Bild: Tox Pressotechnik)

Der Maschinenbau-Kunde hat letztlich immer dieselbe Herausforderung zu meistern. Entweder hat der potenzielle Lieferant für eine Produktionslösung seine Stärken in der anzuwendenden Technologie und braucht zur Umsetzung einen Sondermaschinenbauer. Oder aber er ist stark im Sondermaschinenbau und muss die Technologie oder Verfahrenstechnik hinzukaufen. In beiden Fällen stehen die Schnittstellenproblematik und die Gesamtverantwortung an, was die Projektumsetzung in der Praxis oftmals erschwert. Fast alle verarbeitenden Industrien und deren Zulieferer setzen deshalb heute bevorzugt auf Komplettlösungen aus einer Hand – und dies gilt vor allem auch im anspruchsvollen Automotive-Bereich. Um hier den immer komplexer werdenden Aufgaben gerecht werden zu können, vereint Tox Pressotechnik in Weingarten sämtliche Disziplinen für komplette Produktions- und Montagelösungen bei Blechen und mehr. Das reicht von der Rund-Punkt-Blechverbindungstechnik über Verfahren zum Setzen von Nieten und Einbringen von Funktionselementen bis hin zu pneumohydraulischen und elektromechanischen Presskraftantrieben sowie kompletten Press- und Produktionsmaschinen. Es wird buchstäblich alles ge- boten, um die Kunden aus einer verantwortlichen Hand komplett bedienen zu können, inklusive Steuerungen, Produktionsüberwachungstechnik und Software. Davon ließ sich auch die Firma FFT Produktionssysteme in Fulda überzeugen, als es um eine Fertigungsanforderung für einen asiatischen Automotive-Hersteller ging. Die knifflige Aufgabe lautete, in der Serienfertigung von Pkw-Stirnwänden fünf Muttern und Bolzen in einem Arbeitsgang einzupressen.

Mit Standardkomponenten zu optimalen Produktionslösungen

Die Ingenieure von Tox Pressotechnik griffen dafür tief in ihren Baukasten für Pressen, Antriebstechnik, Steuerungen und Software und offerierten auf Basis einer Standard-Presse eine Komplettlösung als Stand-Alone-Arbeitsplatz. Diese besteht aus der 4-Säulenpresse MAG 200 mit geführter 4-Säulen-Stößelplatte, dem pneumohydraulischen Antrieb Kraftpaket X-K 170 für Presskräfte bis 1.627 Kilonewton (bei 6 bar Luftdruck) und einem Universal-Untergestell zur Aufnahme des Pressensystems und der Versorgungs- und Steuerungseinheiten. Ferner gehören ein 5-Punkt-Einpresswerkzeug, eine Sprüheinrichtung, eine Sicherheitssteuerung mit der Modellbezeichnung STE-328 und schließlich fünf Einpressüberwachungen EPW 400 dazu.

Die Presse bietet zwischen den Säulen einen Werkzeugeinbauraum von 1.500 Millimetern (X-Achse) beziehungsweise 650 Millimetern (Y-Achse) sowie bei eingebautem Werkzeug eine Werkzeugöffnung von 190 Millimetern. Damit wird gewährleistet, dass die Pkw-Stirnwände und die zu setzenden Muttern und Bolzen ungehindert und schnell ins jeweilige Ober- respektive Unterwerkzeug eingelegt werden können. Das Unterwerkzeug des eingebauten 5-Punkt-Werkzeugs ist mit Bauteil-Einweisern, Bauteil-Aufnahmen und Bauteil-Abfragesensoren sowie drei Matrizenaufnahmen und Matrizen für Einpressbolzen und zwei Matrizenaufnahmen plus Matrizen für Einpressmuttern ausgestattet.

Das Oberwerkzeug besitzt zwei Vakuum-Elementaufnahmen für Einpressmuttern sowie drei Stempelaufnahmen und Druckstempel für Einpressbolzen. Für das Einbringen der Muttern und Bolzen in die Pkw-Stirnwände mit 0,8 Millimetern Dicke stellt der pneumohydraulische Presskraftantrieb maximal 1.627 Kilonewton zur Verfügung, sodass genügend Reserven für weitere Einpress- oder Bearbeitungsoperationen vorhanden sind.

Der kompakte Antrieb vom Typ Kraftpaket X-K 170 arbeitet außerdem mit einer Eilkraft von 40 Kilonewton (Gesamthub 200 Millimeter, davon 190 Millimeter schneller Zustellhub und zehn Millimeter Krafthub) sowie einer Rückstellkraft von 25 Kilonewton, wobei er beim Rück-hub zusätzlich von zwei pneumatischen Rückhubzylindern unterstützt wird, um die un- produktiven Nebenzeiten so gering wie möglich zu halten.

Produktivität gepaart mit Bedienkomfort und Sicherheitsstandards

Für eine höchstmögliche Prozesssicherheit ist das 5-Punkt-Werkzeugsystem mit einer Sprühvorrichtung versehen und die fünf Einpressstationen weisen jeweils eine eigene Prozessüberwachungs-Sensorik auf. Die Einpressüber- wachung EPW 400 bietet 16 digitale Eingänge und acht digitale Ausgänge, sodass die Messdaten und Informationen der fünf dezentralen Messstationen in nur einem System verarbeitet werden können.

Das gesamte Pressensystem ist dreiseitig eingehaust und vor dem Zugang von Drittpersonen geschützt. Die Belade-/Entnahmeseite ist durch Schutzabdeckungen und ein begehbares Lichtschutzgitter gesichert. Die Systemsteuerung und -überwachung übernimmt die Sicherheitssteuerung STE-328, die über die beiden Betriebsarten Einhandstart und Tippbetrieb/Einrichtbetrieb individuell zu bedienen ist.

Im Werk in Weingarten wurde das gesamte Pressensystem mit Originalmaterial zunächst abgenommen. Nach der Auslieferung erfolgten beim Endkunden vor Ort die Inbetriebnahme und Schulung. Im perfekten Zusammenspiel aller Systemkomponenten und des 5-Punkt-Werkzeugsystems verfügen die Mitarbeiter nun über ein Produktionssystem, mit dem sie in der vorgegeben Zeit den geforderten Ausstoß an montierten Pkw-Stirnwänden problemlos bewältigen.

Motek: Halle 4, Stand 4215

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 30 bis 31