Fünf Fragen an...Albrecht Reimold

Das Mitglied des Vorstandes bei Porsche, Produktion und Logistik, über den Taycan, den ersten Elektro-Sportwagen aus Zuffenhausen, und den Beginn einer neuen Ära.

30. Oktober 2019
Fünf Fragen an...Albrecht Reimold
Albrecht Reimold: Der 58-jährige Diplom-Ingenieur ist seit Februar 2016 Mitglied des Vorstandes Produktion und Logistik der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG. (Bild: Rafael Kroetz)

Herr Reimold, was bedeutet für Sie der Start des ersten Elektrosportwagens von Porsche?

Mit dem Taycan schlagen wir ein neues Kapitel auf. Porsche hat sich bewusst dafür entschieden, diese neue Ikone im Stammwerk Zuffenhausen zu produzieren. Der Taycan ist etwas ganz Besonderes. Leistung, Reichweite, die innovative 800-Volt-Technologie für kürzeste Ladezeiten und das gesamte Fahrzeugkonzept sind einzigartig.

Was unterscheidet die Fertigung eines rein elektrisch von einem konventionell angetriebenen Sportwagen?

Es ist nicht so, dass wir einfach statt des Tanks eine Batterie verbauen oder einen Elektroantrieb anstelle eines Verbrennungsmotors. Und natürlich ist es etwas anderes, eine Batterie, einen E-Motor und die dazugehörige Kühlung zu montieren, als einen Verbrenner mit seiner Abgasanlage. Dennoch ist auch der Taycan ein Fahrzeug, dessen Karosserie gefügt und lackiert sein will. In großen Teilen ist die Montagereihenfolge gleich. Im Umgang mit Hochvolttechnologie ist allerdings neues Fachwissen gefordert, deshalb qualifizieren wir alle Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend weiter. Schließlich wollen wir die hohen Qualitätsstandards, für die Porsche seit jeher bekannt ist, auch für den Taycan garantieren.

Es gibt in der Taycan-Produktion kein klassisches Fließband mehr.

Ja, wir konnten die Taycan-Fertigung von Beginn an komplett neu konzipieren. Das hat den Vorteil, dass wir in Zuffenhausen nun hochinnovative Produktionsstandards etablieren. Den Taycan montieren wir auf einer sogenannten Flexi-Line mit fahrerlosen Transportsystemen, die sich selbstständig von Station zu Station bewegen. Das gibt uns nicht nur neue Freiheiten im Produktionsbetrieb, sondern auch bei der Architektur des neuen Werks. Die Flexi-Line bietet riesige Vorteile in puncto Investitionen und Flexibilität. Durch den Verzicht auf fest im Fundament integrierte Fließbänder sparen wir rund 30 Prozent Investitionskosten. Und ohne das starre Fließband können wir die Fertigung jederzeit modifizieren, Neues integrieren oder einen Bypass fahren, um besondere Kundenwünsche umzusetzen.

»Allein für den Taycan und Cross Turismo holen wir zusätzlich 1.500 Kolleginnen und Kollegen an Bord. Für Porsche ist die Elektromobilität ein Jobmotor.«

— Albrecht Reimold, Mitglied des Vorstandes Produktion und Logistik der Porsche AG

Auch bei der Digitalisierung setzt die Taycan-Produktion Maßstäbe ...

Das stimmt. Wir entwickeln heute das weiter, was wir bereits in der Vergangenheit durch die Automatisierung, in der Simulation und in der virtuellen Produkt- und Fertigungsplanung geschaffen haben. Die Digitalisierung hilft uns einerseits bei der ergonomischen Gestaltung der Arbeitswelt. Sie unterstützt die Kolleginnen und Kollegen ferner bei der Analyse komplexer Prozesse und Abläufe und verschafft uns Transparenz, zum Beispiel um zu prüfen, wo und warum ein digitaler Fluss eventuell nicht auf dem idealsten Pfad läuft. Wir bekommen so Potenziale aufgezeigt, die wir sonst vielleicht nicht erkennen würden.

Ist das die Vorstufe zur menschenlosen Fabrik?

Nein, bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.

Wir haben unsere Belegschaft in wenigen Jahren fast verdoppelt – auf jetzt mehr als 32.000 Beschäftigte. Allein für den Taycan und Cross Turismo holen wir zusätzlich 1.500 Kolleginnen und Kollegen an Bord. Für Porsche ist die Elektromobilität ein Jobmotor.

Erschienen in Ausgabe: 07/2019
Seite: 5 bis 58