Herz der Holzproduktion 4.0

Elektroautomation

IPC - Microtec aus Brixen ist bekannt für Scanner-Lösungen in der Holzindustrie. Der Weltmarktführer bezieht seine Steuer-PCs vom Münchner IPC-Spezialisten Comp-Mall – und die sind echte Alleskönner, wie der vorliegende Anwenderbericht verdeutlicht.

20. September 2017
Der Logeye-Multisensor-Qualitätsscanner ermöglicht die Sortierung der Stämme je nach Volumen, Qualität oder Festigkeit. Bild: Microtec
Bild 1: Herz der Holzproduktion 4.0 (Der Logeye-Multisensor-Qualitätsscanner ermöglicht die Sortierung der Stämme je nach Volumen, Qualität oder Festigkeit. Bild: Microtec)

Mit dem Namen MIR verbindet man die Raumstation, die 25 Jahre lang die Erde umkreiste und nicht kaputtgehen wollte, bis sie 2006 zum kontrollierten Absturz gebracht wurde.

Es gibt noch einen MIR, viel kleiner zwar, aber auch robust: der MIR5, ein Industrie-PC. Die Abkürzung steht für Microtec Industrie Rechner V.5. Der PC, den die Comp-Mall aus München liefert und modifiziert, wird in die meisten Anlagen von Microtec verbaut – ein Brixener Unternehmen, das Scanner-Lösungen für die holzverarbeitende Industrie entwickelt.

Ob kanadischer Winter oder tropisch feuchtes Brasilien – Microtec-Scanner kommen dort zum Einsatz, wo die Wälder wachsen. Es sind Hightech-Geräte, die die Holzverarbeitung revolutionierten und Goldeneye, CT Log, Logeye, Wanescan oder iRed heissen. Sie scannen Bretter oder Baumstämme in Hochgeschwindigkeit und ermitteln die exakte Beschaffenheit des Holzes, lesen die Holzfeuchtigkeit aus, lokalisieren Äste oder Risse im Stamm, zeigen die Markröhre, die Jahresringe, wie das Holz gebogen oder verdreht ist und viele weitere Parameter, die für die holzverarbeitende Industrie von Bedeutung sind.

Dank der Microtec-Analysedaten können Sägewerke bis zu zehn Prozent mehr Produkte aus dem Holz herausschneiden, die zudem durch die Optimierung vor dem Einschnitt eine bessere Qualität aufweisen. Weniger Bäume für die gleiche Holzausbeute – ein Gewinn für Sägewerke, aber auch für die Umwelt, da materialschonend gearbeitet werden kann.

Gute Zusammenarbeit

»Wir legen größten Wert auf Qualität, Performance, Langlebigkeit und Langzeitverfügbarkeit. Außerdem gehört es zu unserer Firmenphilosophie, unsere Produkte zu personalisieren. Mit Comp-Mall können wir alles umsetzen«, sagt Martin Eisenstecken, IT – Product computing bei Microtec. Anfangs steuerte Comp-Mall lediglich Mainboards bei, seit 2013 stattet der IPC-Spezialist das italienische Technologieunternehmen mit Komplettsystemen aus. Neben dem Projektmanagement, das Beschaffungs-, Verfügbarkeits- und Versionsmanagement enthält, prüft Comp-Mall die BOM eines jeden Rechners und unterzieht jedes System einer speziellen Testprozedur.

Individuelle Rechnerarchitektur

Die Steuer-PCs basieren auf einer eigens für Microtec entwickelten Rechnerarchitektur. Die MIR5 gibt es in zwei Leistungsversionen mit Intel-i3- und -i7-Prozessoren. Sie werden in Serverschränke integriert und können mit Haltegriffen einfach aus dem Schrank gezogen werden. Zwei Schnellverschlüsse sorgen dafür, dass das Gehäuse nicht umständlich aufgeschraubt werden muss. Die interne Verkabelung hat Comp-Mall so angelegt, dass Erweiterungskarten unkompliziert gesteckt werden können, und für Grafikkarten wurde eine zusätzliche Stromversorgung hinzugefügt.

»Durch das Ende des Supports für Windows XP sind viele Kunden gezwungen, ihre Systeme upzugraden. Um die Kosten gering zu halten, werden nur die Rechner ausgetauscht. Früher wurden die unterschiedlichen Messsysteme über verschiedene Erweiterungskarten angesteuert und ausgelesen. Deshalb benötigen wir heute noch Rechner mit möglichst vielen Steckplätzen für die Erweiterungskarten«, erklärt Eisenstecken die Hintergründe.

Bei Comp-Mall wird nach dem Vier-Augen-Prinzip gearbeitet. Nach der Assemblierung überprüft ein zweiter Mitarbeiter, ob die Hardware korrekt eingebaut wurde. Diese Qualitätsprüfung macht Comp-Mall aus Überzeugung, denn PCs, die unter härtesten Bedingungen rund um die Uhr für viele Jahre laufen müssen, müssen perfekt sein.

Konfiguriert und getestet

»Microtec erhält den PC vorkonfiguriert und getestet«, sagt Technik-Leiter Marco Sommer. Windows7 wird vorinstalliert. Zudem hat Comp-Mall ein Custom-BIOS erstellt, bei dem die Einstellungen bereits so gesetzt sind, dass zum Beispiel die Ressourcen für die benötigten Interface-Karten zur Verfügung stehen. Beim Booten ist das Microtec-Logo zu sehen und die individuellen BIOS-Einstellungen werden zu Default-Einstellungen.

Schlussendlich werden alle Steuer-PCs einem Tool-Star-Test und abschließend einem Zwölf-Stunden-Burn-in-Test unterzogen, bei dem CPU und Arbeitsspeicher mit 80-prozentiger Auslastung arbeiten. Gleichzeitig wird die Temperatur von CPU, Festplatte und Gesamtsystem überprüft. Comp-Mall stellt Microtec die Testprotokolle für jeden Steuer-PC digital zur Verfügung, sodass Microtec alle Daten in der Hand hat. Das Prozedere drückt sich in einer exorbitant niedrigen RMA-Quote aus.

Der MIR5 eignet sich in seiner Basisversion für alle Anlagen, die Microtec produziert. »Den Rechner passen wir je nach Anlagentyp an. Dabei wird ein Standard-Image mit allen Grundeinstellungen aufgespielt, Erweiterungskarten werden, wenn nötig, eingebaut und die anlagenspezifische Software wird installiert«, erläutert Eisenstecken.

Beispiel Logeye 300: Der integrierte MIR5, der mit einem Intel-i3-Prozessor arbeitet, erhält nur noch eine Netzwerkkarte zur Kommunikation mit den von Microtec entwickelten und verbauten Multisensor-Kameras. Zum Schluss wird die spezielle Logeye-Software auf den Rechner gespielt.

Logeye 300 vermisst Baumstämme, die Daten entstehen im Sekundentakt: Die Baumstämme schieben sich mit einer Geschwindigkeit von 300 Meter pro Minute an den Scannern vorbei, das sind 18 Kilometer pro Stunde.

Pro Sekunde erzeugt der Logeye 1.000 Bilder und liefert dem Sägewerk Informationen über Äste, die Geometrie und Festigkeit der Stämme, die Dichte des Holzes und das Volumen. Ein 360°-Panoramabild wird erstellt und jeder Stamm klassifiziert. Mit diesen Daten wird Winlog »gefüttert«, eine Software, die Stämme automatisch nach Geometrie, Qualität, Art und kundenspezifischen Kriterien sortiert. Doch es geht noch weiter, denn Microtec hat die Anlagen entwickelt, um ein Sägewerk vollständig zu automatisieren: Maxicut optimiert das Schnittbild, Goldeneye scannt Bretter, Variosort steuert die Sortier- und Pallettieranlage. Mill Manager steht über allem und ist die Eintrittskarte in die digitale Produktion. Das Kontroll- und Reportingsystem liefert einen genauen Einblick in alle Aspekte des Sägewerks in Echtzeit durch den Zugriff auf aktuelle Berichte und Daten von Scan- und Optimiersystemen.

Ausschuss vermeiden

Ob erhöhte Amortisation durch bessere Kenntnis des Eingangsmaterials, geringere Produktionskosten durch die Ermittlung von Leistungsindikatoren oder geringere Transportkosten als Ergebnis von verbesserter Abwicklung von Bestellungen: Mill Manager hilft dabei, Ausschüsse zu vermeiden und die Effizienz zu steigern. Per Smart Mill werden mobile Geräte wie Lader und Stapler angebunden und ferngesteuert. Und auch hier ist der Steuer-PC MIR5 das Hardware-Herz der Holzproduktion 4.0.

Was kommt als nächstes Projekt? Gibt es zu einem digitalisierten Sägewerk noch eine Steigerung? Microtec arbeitet daran. Comp-Mall unterstützt mit qualitativ hochwertigen Industrie-PC-Produkten sowie Projektbetreuung inklusive individueller Anpassung der Hardware, Software und Services und leistet so einen Beitrag für erfolgreiche Hightech-Unternehmen auf ihrem Weg in die Zukunft.

Erschienen in Ausgabe: 06/2017

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