Leicht zu programmieren

Software Die Alupress-Gruppe setzt in ihrer Fertigung Roboter von ABB ein und optimiert ihre Anlagen mit der Simulations- und Programmiersoftware RobotStudio. Zudem treibt Alupress die Vernetzung der Produktion und den Einsatz von Robotern bei der mechanischen Bearbeitung voran.

25. März 2019
Leicht zu programmieren
Die meisten ABB-Roboter bei Alupress sind mit einer Schnittstelle zu den ABB Ability Connected Services ausgerüstet. Diese ermöglichen eine schnelle Fehleranalyse und eine Überwachung des Roboterzustands während des gesamten Roboter- Lebenszyklus. (Bild: ABB)

Alupress hat sich auf den Aluminium-Druckguss spezialisiert. Am Hauptsitz in Brixen, Italien, fertigt das Unternehmen hochkomplexe Druckgussteile für die Automobilindustrie. In nahezu jedem dritten Auto sind Teile des Herstellers verbaut. Der Aluguss-Spezialist beschäftigt etwa 1.200 Mitarbeiter und verfügt weltweit über vier Produktionswerke sowie einen Werkzeugbau.

An den einzelnen Produktionsstandorten sind speziell auf die Arbeitsumgebung einer Gießerei abgestimmte ABB-Roboter im Einsatz – die meisten davon in voll automatisierten Gießzellen. So arbeiten in Brixen jeweils zwei Roboter in einer Gießzelle zusammen: ein Sprühroboter, der die Gussform mit Trennstoff besprüht, und ein Entnahmeroboter, der das Druckgussteil aus der Form entnimmt, es in die Abkühlung und anschließend ins Entgratwerkzeug legt. Erst vor Kurzem hat Alupress den einhundertsten ABB-Roboter in seine Fertigung eingebunden.

Die rauen Bedingungen in der Gießerei durch hohe Temperaturunterschiede, Dampf und Verschmutzungen verlangen nach besonders robusten Anlagen. Die Roboter punkten laut ABB bei Alupress nicht nur dank ihrer Schutzklasse IP67, sondern vor allem mit ihrer Foundry-Plus-Ausführung – für Langlebigkeit und Robustheit in extremer Umgebung.

Zuverlässig im Einsatz

Roboter in der Ausführung Foundry Plus bieten verbesserte Dichtungen, um das Eindringen von Partikeln in elektrische Bereiche zu verhindern, eine mit Zweikomponenten-Epoxidharzlack behandelte Oberfläche für Korrosionsbeständigkeit, bewährte Steckverbinder, einen zusätzlichen Schutz der Verkabelung und Elektronik. Dadurch ist die zuverlässige Einsatzfähigkeit der Geräte gewährleistet, sodass Ausfälle oder Stillstände in der Produktion von vornherein begrenzt werden. Als Pionier in den Gießereianwendungen bringt ABB hier langjähriges Know-how mit: »ABB war einer der ersten Anbieter, die in der Gießerei automatisiert haben. Wir haben angefangen, wo viele andere Roboterhersteller zunächst nicht einsteigen wollten, und viele für diese Umgebung geeignete, robuste Applikationen und Roboter entwickelt«, sagt Uwe Seip, Vertriebsingenieur bei ABB Robotics. Damit habe sich das Technologieunternehmen in der Gießereibranche einen sehr guten Ruf erarbeitet. »Die Qualität des Produktes, die leichte Programmierbarkeit der Roboter sowie die Programmierstruktur zeichnen uns aus.«

Das Unternehmen überzeugte eigenen Angaben zufolge nicht nur wegen der Zuverlässigkeit der Anlagen. Als globaler Roboterlieferant punktete ABB auch aufgrund seines umfangreichen Liefer- und Leistungsumfangs. So erarbeitete der Roboterhersteller beispielsweise das gesamte Automatisierungskonzept gemeinsam mit Alupress, vom Layout über die Simulation und Programmierung sowie die Inbetriebsetzung bis hin zum Sicherheitskonzept.

Der Aluguss-Spezialist profitiert beim Einsatz der Roboter nicht nur von einer durchgehenden Programmiersprache, sondern auch von der ABB-eigenen Programmierrichtlinie. Der Programmaufbau ist strukturiert, kommentiert und in Module unterteilt. »Anhand dieser Struktur kann sich auch ein Mitarbeiter, der dieses Programm nicht erstellt hat, leicht zurechtfinden. Er kann in dieser Struktur editieren, ändern und erweitern«, verdeutlicht Seip. Das spart Arbeitszeit und trägt zur Handlungsfreiheit bei. »Eine Blackbox, die kein Mensch versteht, nützt niemandem und macht im schlimmsten Fall sogar handlungsunfähig«, konstatiert der Vertriebsingenieur. Die Frage nach der Struktur, danach, wie etwas gemacht wird und wie Standards erarbeitet werden können, sei den Brixenern von Beginn an wichtig gewesen.

»Alupress nutzt die leistungsstarke Programmiersoftware RobotStudio sehr intensiv, um seine Anlagen zu planen, zu optimieren und in der Simulation Änderungen und Erweiterungen der Gießzelle zu testen. In dieser Qualität können dies nur wenige Anbieter gewährleisten«, kommentiert Stefan Piccolruaz, Gießereitechniker bei Alupress. »Durch den Einsatz von RobotStudio können wir beständig unsere Produktivität steigern sowie die Rüstdauer und Einrichtzeiten unserer Anlagen senken – und das auch dank der hohen Verfügbarkeit der Roboter.« Zudem gibt Piccolruaz ein Beispiel für die Genauigkeit des Programms: »Die Taktzeitaussage aus RobotStudio weicht maximal um zwei bis drei Prozent von der späteren Realität ab.«

Die meisten ABB-Roboter im Unternehmen sind darüber hinaus mit einer Schnittstelle zu den ABB Ability Connected Services ausgerüstet. Dadurch besteht die Möglichkeit, einen sofortigen 24/7-Support zu gewährleisten. Connected Services bieten zudem eine bessere Überwachung der Produktion und der Roboter. Anwender erzielen laut Anbieter bei ihren eingesetzten Robotern bis zu 25 Prozent weniger Störungen und können die Reaktions- und Behebungszeit bei Problemen um bis zu 60 Prozent kürzen. Gleichzeitig werden Maintenance-Strategie und Serviceeinsätze effizienter gestaltet und Aktivitäten so priorisiert, dass Fertigungsprozesse produktiv und verfügbar bleiben. Ebenso hilft das Service-Portfolio, Roboter zu identifizieren, die sich für eine zweite Laufzeit eignen oder ausgetauscht werden müssen.

»Seit vielen Jahren arbeiten wir sehr partnerschaftlich und mit einem hohen Vertrauen mit Alupress zusammen. Im Rahmen dieser Partnerschaft haben wir etwa auch die Vernetzung von Gießanlagen und Fördertechnik mit den Robotern vorangetrieben oder unterstützen bei der Revision bestehender Zellen«, resümiert Seip. »Aktuell automatisieren wir gemeinsam mit Alupress die mechanische Bearbeitung.« Neun Anlagen, mit denen die Druckgussteile mit CNC-Maschinen bearbeitet werden, wurden bereits mit Robotern ausgestattet, 23 Anlagen werden noch automatisiert.

Hannover Messe: Halle 11, Stand A35

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 44 bis 45