MEin Vertrauenschenker

Albert Meilhaus, Stefan Meilhaus - Der Geschäftsführer der Meilhaus Electronic GmbH (ME) und sein designierter Nachfolger offenbaren automation-Redakteur Oliver Krüth im exklusiven Interview, wie der Staffelstab im Familienunternehmen an die junge Generation weitergereicht wird.

30. Oktober 2019
MEin Vertrauenschenker
Ein starkes Team: Geschäftsführer Albert Meilhaus (re.) mit seinem Sohn Stefan Meilhaus (li.). (Bild: Meilhaus Electronic)

Herr Meilhaus, seit Anfang 2014 residiert die Meilhaus Electronic GmbH in Alling. Sie wollten mit dem Umzug die Weichen für die Zukunft stellen und schwärmten im letzten Interview in automation 06/2015 von den großen lichtdurchfluteten Räumlichkeiten. Wie ist der Eindruck fünf Jahre später? Platzt Meilhaus Electronic bereits wieder aus allen Nähten?

Albert Meilhaus: Im Bereich Service und Inventory haben wir erst kürzlich räumlich expandiert. Ja, mein Eindruck vom neuen Firmensitz ist nach wie vor der gleiche. Die hellen, großzügigen Räumlichkeiten fördern das entspannte und dabei konzentrierte Arbeiten aller unserer Mitarbeiter. Den Umzug unseres Unternehmens von Puchheim in ein Neubau-Ensemble in Alling habe ich keine Sekunde lang bereut.

Benötigen Showroom, Akademie und Hotel zusätzlichen Platz?

Albert Meilhaus: Bislang ist noch ausreichend Platz vorhanden, da die am Anfang zur Verfügung stehenden Flächen sehr großzügig dimensioniert waren. Für unsere Geschäftspartner und Kunden ist das angegliederte Hotel von großem Vorteil.

Der Auszug aus dem alten Firmengebäude in Puchheim ging seinerzeit einher mit einem Ausbau des Produktportfolios. Wie sind Sie heute aufgestellt?

Albert Meilhaus: Unser Produktspektrum ist um eine wichtige Sparte gewachsen. Es handelt sich hierbei um den Vertrieb hochwertiger Produkte aus dem HF-Bereich, wie zum Beispiel eine Reihe von Vektor-Netzwerkanalysatoren, VNA, bis hin zu Signal/Spektrum-Analyzern des High-Tech-Herstellers Ceyear. Im Bereich der Benchtop-Messgeräte ist unser Portfolio auf über 200 hochwertige Oszilloskope der Hersteller Key- sight, Rigol und Siglent angewachsen. Mit Gossen Metrawatt haben wir einen starken deutschen Hersteller für Stromversorgungen, Multimeter und weitere messtechnische Lösungen auch für den Bereich Medizintechnik und Energiemanagementsysteme.

Hat sich der Anteil an Produkten aus eigener Fertigung erhöht oder haben Sie den Distributionsanteil ausgebaut?

Albert Meilhaus: Durch den starken Ausbau unseres Distributionsangebotes hat sich deren Anteil gegenüber den Produkten aus eigener Fertigung erhöht.

Ihr Showroom steht in Zeiten von Digitalisierung, Vernetzung und Virtualisierung für ein eher analoges Verkaufskonzept. Ist Ihr Erfolgskonzept die Mischung aus Online-Store, Showroom und Akademie oder markiert dieses Modell eher eine Übergangslösung auf dem Weg zum vollkommen digitalisierten Marktplatz?

Albert Meilhaus: In der Messtechnik wird es immer einen persönlichen Beratungsbedarf geben. Die Ingenieure und Techniker greifen auf die Erfahrung und Kompetenz derer zurück, die vor ihnen auch Lösungsansätze durchdacht und in die Praxis umgesetzt haben. Oft- mals werden Messgeräte vor einer möglichen Beschaffung auf Herz und Nieren hin getestet. Dabei tauchen oftmals Fragen auf, die nicht vorhersehbar waren. Es wird in den nächsten Jahren sicherlich noch eine Mischung geben.

Vita

Albert Meilhaus

- geboren 1950 in München

- seit 1967 verheiratet mit Silvia Meilhaus, zwei Söhne (51 und 38), eine Tochter (46) und sieben Enkelkinder

- Ausbildung zum Radio-und Fernsehtechniker

- Elektroniker bei der Firma Schwarzer Medizintechnik

- Studium der Elektrotechnik an der FH München

- zwei Jahre Entwicklungsingenieur bei Johne & Reilhofer

- zwei Jahre Vertriebsingenieur bei Stemmer Elektronik

- 3. März 1977: Gründung Meilhaus Electronic (seit 1978 GmbH)

Im letzten Interview sagten Sie, dass Sie vorrangig den deutschen Markt beliefern. Ist das noch so?

Albert Meilhaus: Ja, Deutschland ist nach wie vor unser Hauptmarkt. Viele unserer Industriekunden verbauen unsere Produkte in ihre Schaltschränke und Anlagen und liefern diese in die ganze Welt.

Nach Jahren der Konjunktur durchläuft die deutsche Wirtschaft eine Phase der Konsolidierung. Wie stellt sich der Markt für Meilhaus Electronic dar?

Albert Meilhaus: Zugegeben, unser Markt ist verhalten und die Wirtschaft scheint etwas zu lahmen. Auf der anderen Seite ist der Personalmangel bei Fachkräften nicht mehr so signifikant wie noch in den letzten Jahren.

Eine wirtschaftliche Wachstumspause eröffnet den Unternehmen auch immer Chancen. Welche Pläne haben Sie? Weiterhin Effizienz erhöhen oder schauen Sie auch um die Ecke, ob dahinter nicht eine disruptive Innovation wartet, entwickelt zu werden?

Albert Meilhaus: Disruptive Trends bieten viel Potenzial und um sie nützlich zu machen, muss man beim Testen und Messen neue Wege gehen. Natürlich möchte man noch eine wunderbare Innovation, das sogenannte ›Ei des Columbus‹ auf den Weg bringen. Realistisch gesehen, sollte man sich verstärkt im Bereich Umwelt- respektive Klimaschutz stärker engagieren.

Haben Sie in Ihrer Arbeitsorganisation Möglichkeiten geschaffen, um neben dem Tagesgeschäft auch Raum für das Entwickeln neuer Produkte zu lassen?

Albert Meilhaus: Um die Entwicklungskapazitäten zu steigern, haben wir mit einer hoch spezialisierten europäischen Ingenieurgesellschaft eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit geschlossen.

Woran arbeitet derzeit Ihre Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung?

Albert Meilhaus: Bei der Entwicklung unserer Produkte achtet die Meilhaus Electronic auf Zukunftssicherheit. Wenn ein Produkt lange eingesetzt werden kann, sichert sich der Anwender nicht nur seine Investitionen, sondern schont damit auch die Umwelt. Unser umfangreiches Portfolio an Mess- und Schnittstellenprodukten erfordert eine ständige Pflege, um den sich stets verändernden Anforderungen gerecht zu werden. In der Pipeline neuer Produkte befindet sich unter anderem eine Familie hochwertiger und preisgünstiger HF-Module mit USB-Anschlusstechnik.

Welche Trends sehen Sie derzeit im Bereich der Messtechnik?

Albert Meilhaus: Die Digitalisierung, IoT, 5G, der Klimaschutz, die E-Mobilität sowie erneuerbare Energiekonzepte sind die aktuellen Themen, die vor allem auch die Messtechnik herausfordern. Die Messmittel müssen umfangreicher sowie präziser werden und die Methodik muss sich den neuen Anforderungen stellen.

Wo sehen Sie Ihre Nische?

Albert Meilhaus: Meilhaus Electronic bietet viele einzigartige Hard- und Softwareprodukte mit Langzeitverfügbarkeit. Darüber hinaus exzellenten Service und Support durch persönliche und kompetente Ansprechpartner.

Daneben offerieren wir eigene Mess- und Schnittstellenkarten, USB-Messmodule und passendes Zubehör, ein umfangreiches Produktspektrum an Oszilloskopen, Multimetern, Spektrumanalysatoren, Signal-, Leistungsquellen und vieles mehr für den spezifischen Messtechnik-Nischenmarkt.

Vita

Stefan Meilhaus

- geboren 1981 in München

- verheiratet, zwei Kinder

- 1998: Ausbildung zum Koch im Drehrestaurant des Olympiaturms München und mehrjährige Erfahrung unter anderem bei Alfons Schuhbeck und Hans Haas

- 2003: Einstieg bei Meilhaus Electronic in der Technik

- 2015: Ausbildung zum Industrie-Elektroniker

- diverse Praktika unter anderem bei Pico Technology (St. Neots/UK) und Brainboxes (Liverpool/UK)

Worin unterscheiden Sie sich vom Mitbewerb?

Albert Meilhaus: Zum einem unterscheiden wir uns in der Differenzierung unseres leistungsstarken Lieferspektrums im Ver- gleich zum Mitbewerb. Zum anderen ist das Zusammenspiel eines interessanten Vertriebsspektrums mit Produkten aus eigener Entwicklung und Fertigung zum großen Vorteil für unsere Kunden. Die hauseigene Kompetenz in der Messtechnik ist im Presales- und Aftersales-Support sehr vorteilhaft für den Anwender.

»In der Messtechnik wird es immer einen persönlichen Beratungsbedarf geben.«

— Albert Meilhaus, Meilhaus Electronic

Firmen, die sich auf reinen Vertrieb konzentrieren, verfügen oft nicht über die Sach- und Anwendungskenntnisse, die unser Kundenkreis oftmals benötigt. Als familiengeführtes Unternehmen können wir sehr schnell Entscheidungen treffen. Langjähriges, erfahrenes Personal trifft auf junge, begeisterungsfähige Mitarbeiter. In unserem Unternehmen arbeiten engagierte Mitglieder unserer Familie wie auch sehr fähige, langjährige Angestellte, die in der näheren Umgebung leben.

Über 42 Jahre lang schwarze Zahlen zu schreiben ist eher selten. Ein früherer amerikanischer Geschäftspartner hatte sich vor einigen Jahren mit unserem Werdegang und Erfolg auseinandergesetzt, um es eventuell zu kopieren und kam zum folgenden Ergebnis: »Nothing beats a Family Operation«.

Eine weitere Unterscheidung liegt in der Langzeitverfügbarkeit unserer eigenen Produkte, soweit es die Bauteil-Situation erlaubt. Schulungen und Seminare begleitend zum Produktspektrum führen zur Kundenbindung.

Gibt es in Ihrem Portfolio noch weiße Flecken?

Albert Meilhaus: Ja, speziell im Bereich der Sensorik gibt es noch Luft nach oben. Ansonsten sind wir sehr gut mit unserem Produktangebot aufgestellt.

Der Herbst ist eine Zeit der Industriemessen. Welche neuen Produkte gibt es auf der productronica zu bestaunen?

Albert Meilhaus: Es wird eine ganze Palette neuer und upgedateter Meilhaus-Electronic-eigener Hardware-Produkte sowie eine neue Version unseres Messtechnik-Software-Pakets PowerLab geben. Natürlich sehen die Besucher auch alle neu hinzugekommene HF-Messgeräte mit dem Highlight eines Vektor-Netzwerkanalysators bis 500 Gigahertz.

Sie haben Ihr Unternehmen 1977 gegründet. Nach 42 Jahren im Betrieb führen Mitarbeiter großer Konzerne Gespräche über Vorruhestandsregelungen. Denken Sie ans Kürzertreten?

Albert Meilhaus: Ja! Die Zeit für eine neue, junge und fähige Generation voller Energie und Ehrgeiz ist gekommen.

Haben Sie vor, den Staffelstab innerhalb der Familie langsam weiterzureichen?

Albert Meilhaus: Ja, aber behutsam und begleitend in der Übergangsphase. Natürlich stehen wir mit unserer ganzen Erfahrung und guten Ratschlägen zur Verfügung. Unsere vielfältigen Hobbys wie Reisen, Fischen, Kochen und geselliges Treffen mit der Familie und mit Freunden werden mehr von unserer Lebens- zeit in Anspruch nehmen. Beson- ders bereiten uns unsere sieben Enkelkinder im Alter zwischen drei und 30 Jahren große Freude.

Herr Stefan Meilhaus, Sie sind eines der drei Kinder von Albert und Silvia Meilhaus und seit 16 Jahren im Unternehmen tätig. Worum kümmern Sie sich konkret?

Stefan Meilhaus: Ich habe bei Meilhaus Electronic über die letzten Jahre stetig mehr Teile des täglichen Ablaufs im Betrieb übernommen. Dazu zählt vor allem auch die Betreuung der vielen, sehr interessanten Kundenprojekte, bei denen wir gemeinsam die besten Lösungen erarbeiten. Da wir keine AG mit Quartals-Renditezielen sind, haben wir die Möglichkeit, die Projekte mit großem Engagement und Vernunft, im Sinne unserer Kunden umzusetzen. Das wird sehr geschätzt.

Haben Sie bereits Pläne, wie Sie das Unternehmen künftig führen möchten? Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Stefan Meilhaus: Die Schwerpunkte der Zukunft sind auch die Stärken, die das Unternehmen Meilhaus Electronic in den letzten Jahrzehnten bekannt gemacht haben: die Herstellung, Entwicklung und Verkauf von Innovativer und zuverlässiger Messtechnik. Hier spielt die Wertschöpfung und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Eine lange Verfügbarkeit der Artikel und Komponenten sichert unseren Kunden einen weiten Planungshorizont zu. Ein persönlicher Kundenkontakt ist und bleibt das A und O bei Meilhaus Electronic. Die Kontaktmöglichkeiten zu den Ansprechpartnern sind schnell und unkompliziert. Die Flexibilität und Reaktionszeit für Entscheidungen sind bei uns generell hoch. Eine Selbstverständlichkeit ist für uns seit jeher auch, einen hochgradigen und kostenlosen Support unserer Bestandskunden zu bieten. Wer bei Meilhaus Electronic Artikel erworben hat, darf sich über einen jahrelangen Support freuen. Das gilt für die Eigen- wie auch die Distributionsprodukte gleichermaßen.

»Wer bei Meilhaus Electronic Artikel erworben hat, darf sich über einen jahrelangen Support freuen.«

— Stefan Meilhaus, Meilhaus Electronic

Wird die Produktpalette von Meilhaus Elektronik weiterhin eine Mischung aus Distribution und Eigenentwicklung sein?

Stefan Meilhaus: Selbstverständlich erweitern wir unsere Produkte generell dynamisch, um unseren Kunden Komplettlösungen aus einer Hand anbieten zu können. Drahtlos übertragene, hochfrequente Signale erfordern Geräteklassen, die früher dem Militär vorbehalten waren. Hier gibt es noch Erweiterungsmöglichkeiten.

Im Mai 2019 fand Ihre Hausmesse, die ›Hightech auf dem Olympiaturm‹ zum 25. Mal statt – das vermutlich wichtigste Event für Meilhaus Electronic. Werden Sie an der Hausmesse weiterhin festhalten?

Stefan Meilhaus: Die Messe auf dem Olympiaturm bezeichne ich als unsere Flagship-Veranstaltung. Über die Jahre hat sich der Event als Treffpunkt von Kunden und Lieferanten gleichermaßen ent- wickelt. Im Drehrestaurant auf 181 Metern Höhe haben wir ein unvergleichliches Ambiente, in dem man in aller Ruhe interessante Gespräche führen kann. Wir werden auch in Zukunft gerne am ›Hightech auf dem Olympiaturm‹ festhalten – dieser Event ist DACH-weit bekannt.

Was ist mit Ihren Geschwistern? Werden Sie Unterstützung aus der Familie erfahren?

Stefan Meilhaus: Wir, die Meil- häuser, sind ein echter Familienverband. Ich darf mich mit meiner Frau über zwei Kinder, drei und neun Jahre, freuen. Diese Säule ist extrem wichtig. Des Weiteren freue ich mich über das vertrauensvolle Verhältnis mit unseren Mitarbeitern. Unser Miteinander bezeichne ich als bemerkenswert.

Sie sind dem Vernehmen nach ausgebildeter Koch. Frönen Sie ähnlichen lukullischen Hobbys wie Ihr Vater?

Stefan Meilhaus: Ich durfte in meinen jüngeren Jahren eine Ausbildung in der Spitzengastronomie absolvieren. Das war eine sehr spannende Zeit. Es war zu der Zeit noch üblich, bis zu 16 Stunden pro Tag am Herd zu stehen. Die gleiche Leidenschaft übt der Umgang mit Technikprodukten auf mich aus.

»Die Zeit für eine neue, junge und fähige Generation voller Energie und Ehrgeiz ist gekommen.«

— Albert Meilhaus, Meilhaus Electronic

Was tun Sie, um Ihre Akkus wieder aufzuladen?

Stefan Meilhaus: Seit Jahren bin ich in meiner Freizeit sportlich sehr aktiv. Viel Spaß und Ausdauer finde ich beim Marathon-Trail-Lauf oder beim Fliegenfischen.

Sie teilen die Fischereileidenschaft Ihres Vaters? Wo liegen Ihre Fangstrecken?

Stefan Meilhaus: Die größte Spannung bietet sich mir beim Fischen in Flüssen und Strömen. Sehr gerne übe ich mein Hobby zum Beispiel in der Uffinger Ache am Staffelsee oder am Lauterbach bei der Loisach in Oberau aus.

Knüpfen Sie Ihre Fliegen selbst?

Stefan Meilhaus: Ich arbeite gerne am Bindestock. Es bringt doppelt Freude mit selbstgebundenen Fliegemustern die Salmoniden zu überlisten.

Was bedeutet es Ihnen, eine selbst gefangene Forelle zuzubereiten? Was ist Ihr bislang größter Fang?

Stefan Meilhaus: Eine 63 Zentimeter große Bachforelle aus der Leutasch.

Erschienen in Ausgabe: 07/2019
Seite: 4 bis 13