Rollen statt Gleiten

Fertigungsautomation

Kippschalensorter: Die Schweizer Denipro AG hat in Germering bei Cewe eine Denisort-Anlage realisiert und damit entscheidend zur Order-Fulfillment-Optimierung des Fotoservice-Spezialisten beigetragen. automation war vor Ort, um die neue Förder-, Sortier- und Kommissionieranlage etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

29. März 2018
Perfekte Auftragserfüllung: das bei Cewe in Germering von Denipro realisierte Denisort-System.
Bild 1: Rollen statt Gleiten (Perfekte Auftragserfüllung: das bei Cewe in Germering von Denipro realisierte Denisort-System.)

Daniel Fässer, CEO der Denipro AG, sagte bei der Präsentation nicht ohne Stolz: »Die erste Denisort-Anlage, die wir hergestellt haben, durften wir hier in Germering bei Cewe installieren.« Und die Anlage, die in eine Bestandsimmobilie mit sehr engen Platzverhältnissen eingebaut wurde, nutzt die 3D-Fähigkeit des Systems voll aus: Auf dem in vier Metern Höhe direkt an der Decke angebrachten Rücklauf werden die zu ihrer Leerung nach beiden Seiten kippbaren Schalen kopfüber gedreht, bevor sie wieder in normaler Position an ihren Ausgangspunkt zurückkehren.

Neben der Kompaktheit der Anlage war für Cewe entscheidend, dass die Denisort-Technologie sehr leise funktioniert. Denn dies schont die Ohren und Nerven der in der Halle tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

»Best in Print« lautet das Motto von Cewe. Dieses Credo des Fotoservice-Spezialisten gilt nicht nur für die Produktion der renommierten Cewe-Fotobücher und -Fotokalender, sondern auch für deren Auslieferung. Dementsprechend hatte Denipro als Systemanbieter von vornherein hohe Ansprüche zu erfüllen, um in Germering bei München die Prozesse im Bereich Warenversand zu optimieren.

Die von Denipro vorgeschlagene Lösung mit einer platzsparenden Denisort-Anlage fand sehr schnell die Zustimmung des Kunden. Ausschlaggebend dafür war neben der sprichwörtlichen Schweizer Präzision bei der technischen Umsetzung die verbindliche Zusage, das Projekt innerhalb des sehr straffen Zeitplans von nur fünf Monaten zu realisieren. Die Linie musste noch im Oktober 2017 in Betrieb gehen, damit Cewe für das Weihnachtsgeschäft gerüstet war, bei dem vor allem die beliebten Cewe-Foto-Adventskalender sehr gefragt sind.

Auch das kompakte Layout der Denisort-Anlage, welche die Pakete nach Destinationen vorsortiert, war für die Entscheidung des Kunden ein gewichtiges Argument.

Platzsparend integriert

Mit ihrer Kettenlänge von nur 57 Metern ließ sich die Denisort-Linie perfekt in den vorhandenen Gebäudetrakt im Industriegebiet des Münchener Vororts integrieren. Der Clou dabei: Aus Platzgründen verläuft der auf beiden Seiten in engen Kurvenradien um 90 Grad gedrehte Rücklauf in vier Metern Höhe oben an der Hallendecke. Dabei werden die leeren Kippschalen auf den Kopf gestellt. Diese Lösung war möglich, weil im Gegensatz zum finnischen Buchgrossisten Kirjavälitys Oy, bei dem Denipro gegenwärtig eine ähnliche Anlage installiert, in Germering die Denisort-Linie nicht zusätzlich noch als Puffer eingesetzt wird.

Je nach Auslastung und verarbeitetem Produkt schwankt der Durchsatz auf der Denisort-Anlage bei Cewe zwischen 1.700 und 2.500 Gebinden pro Stunde. Wegen der manuellen Be-stückung läuft die Förderkette vergleichsweise langsam: Die Geschwindigkeit variiert zwischen 0,3 und 0,5 Metern pro Sekunde. Theoretisch könnte die Denisort-Technologie die Spitzenleistung von 1,3 Metern pro Sekunde erzielen. Aufgrund der geringen Auflagepunkte sind die 650 mal 450 Millimeter großen Schalen nach allen vier Richtungen besonders stark versteift, um die notwendige Stabilität zu bieten. Sie stellen innerhalb des standardmäßig offerierten Denisort-Schalensortiments die Maxi-Version dar.

Der Barcode der dort von einer Cewe-Mitarbeiterin oder einem Cewe-Mitarbeiter hineingelegten Fotobuchpäckchen wird gescannt. Auf diese Weise lässt sich das Förder- und Sortiergut permanent digital nachverfolgen, denn die Denisort-Anlage ist über ein Ethernet-Gateway mit dem übergeordneten Warehouse-Management- System (WMS) von Cewe verbunden. Das genannte Interface enthält auch die Kommunikationsschnittstelle zur Sorter-Steuerung. Zur Ausschleusung des Förderguts sendet das WMS eine Nachricht an die entsprechende Zielrutsche.

Dabei neigt und öffnet sich die Kippschale ganz nach Bedarf mal zu der einen oder zu der anderen Seite. Insgesamt verfügt die Linie über 60 Sortierstationen, deren Fördergut per Barcode gelesen wird. Zu diesen kommen noch zwei weitere hinzu, auf denen Produkte ohne Erfassung verarbeitet werden. Die Rutschen, auf denen die Gebinde sanft in die bereitstehenden fahrbaren Kunststoffcontainer hineingleiten, sind so konstruiert, dass das Fördergut bei dieser Prozedur keinen Schaden nimmt. 

Wie alle anderen Denipro-Systeme kommt die vom bewährten Deniway-Förderer abgeleitete Denisort-Technologie mit nur wenigen Antrieben aus. Sie ist nicht nur besonders leichtgängig, sondern arbeitet äußerst energieeffizient nach dem Prinzip »Rollen statt Gleiten«. Cewe profitiert so von geringerem Energieverbrauch und CO2-Ausstoß sowie von minimalen Betriebskosten. 

 

Hintergrund

Die Cewe Stiftung & Co. KGaA gilt als Europas führender Fotoservice-Spezialist. Durch kontinuierliche Innovation hat das in Oldenburg beheimatete Unternehmen den Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie gemeistert. Hauptprodukte sind Fotobücher, Fotokalender und durch Fotoaufdruck personalisierte Geschenkartikel, zum Beispiel Tassen. Über die Marken cewe-print.de, Saxoprint und viaprinto bietet Cewe als Online-Druckerei auch Geschäftsdrucksachen – Flyer, Plakate, Broschüren und Visitenkarten – an. Der Standort in Germering ist eine von zwölf Betriebsstätten, die der Fotodienstleister in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Tschechien und Ungarn unterhält. 2016 erzielte das Unternehmen, das in 24 Ländern präsent ist, mit 3.200 Beschäftigten einen Umsatz in Höhe von 591,3 Millionen Euro. Dabei produzierte es 6,2 Millionen Fotobücher und entwickelte 2,2 Milliarden Fotos.

Erschienen in Ausgabe: 02/2018

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