Vom Blitz getroffen

Fertigungsautomation

Gregory Kyd - Der technische Leiter des Schweizer Maschinenbauunternehmens Paro spricht im exklusiven Interview mit automation über den Paro-Blitz, den Paro-Motion und die Grenzen des technisch Machbaren bei Montageprozessen.

18. September 2018
Bild: Paro AG
Bild 1: Vom Blitz getroffen (Bild: Paro AG)

Kurz mal vorweg: Wie ist bei Ihnen die allgemeine Geschäftsentwicklung?

Der Geschäftsgang dieses Jahr entwickelt sich sehr erfreulich. Dank unserer Anstrengungen und Innovationen, insbesondere dem Paro-Blitz, dem vollelektrischen, linear gesteuerten Pick-and-place-System, welches wir infolge der Währungskrise (die Schweiz gab 2015 die Bindung des Franken an den Euro auf – Anm. d. Red.) entwickelt haben, können wir unseren Kunden heutzutage leistungsstärkere Anlagen zum besseren Preis-Leistungs-Verhältnis an-bieten. Dies spiegelt sich in der aktuell guten Auftragslage wider.

Haben Sie ausreichend Produktionskapazitäten, um die Nachfrage bedienen zu können?

Ja, die haben wir. Und da wir die komplette Abdeckung der Wertschöpfung unter anderem mit eigener Fertigung sowie unseren erfahrenen Mitarbeitern anbieten, können wir die uns anvertrauten Kundenaufträge effizient umsetzen.

Sie haben sich auf Montageanlagen spezialisiert und mit dem Paro-Motion eine Lösung geschaffen, die den bewährten Paro-Blitz mit einem Roboter kombiniert. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

In unserer über 30-jährigen Firmengeschichte haben wir uns immer der Effizienz und den für den Kunden gewinnbringenden Lösungen verschrieben. Infolge heutiger Anforderungen an schnell laufende und flexible Montageanlagen haben wir nebst den bestehenden Paro-Modulen, wie dem Paro-Blitz, eine weitere innovative Lösung erarbeitet: den Paro-Motion. Der Paro-Motion ermöglicht es, modular im erforderlichen Transferabschnitt des Transfersystems Paro-Paromat elektrische, auf Linearachsen basierende Antriebseinheiten einzubauen. So wird dieser Abschnitt zum Schnelleinzug. Die darauf fahrenden Werkstückträger können mit unterschiedlichen Parametern und/oder Positionen als eigenständige Achsen genutzt werden. 

Kam die Nachfrage dazu von Ihren Kunden?

Wir entwickeln spezifische Anlagen allermeistens in Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Dank dieser guten Zusammenarbeit entstehen immer wieder innovative Lösungen, die wir für den Kunden gewinnbringend umsetzen. 

Welche Vorteile hat ein Anwender mit dem Paro-Motion im Vergleich zum Paro-Blitz?

Der Paro-Motion ist eine Ergänzung zu den bestehenden Paro-Modulen, wie dem Paro-Blitz, welcher für Pick-and-place-Anwendung eingesetzt wird. Dieser hat sich bereits mehrfach bewährt. Seit der Lancierung im Jahre 2014 des Paro-Blitzes läuft ein Dauertest mit bereits über 190 Millionen Zyklen – und dies wartungs- und störungsfrei. Der Paro-Motion ermöglicht es, noch effizienter die aktuellen wie künftigen Anforderungen der Kunden sowie die schnellen Wechselzeiten und dynamischen Abläufe mittels rascher Änderung von Parametern umzusetzen. 

Auf Ihren Produktbildern sieht man Fanuc-Roboter. Verwenden Sie auch andere Fabrikate? 

Die große Produktepalette von Fanuc ermöglicht es uns, ein weitläufiges Anwendungsfeld anzubieten. Als Integrator sind wir jedoch flexibel, auch anderweitige Anbieter einzusetzen. Und unsere Softwarespezialisten haben diverse Robotertypen von anderen Herstellern bereits umgesetzt und befinden sich aktuell in der Umsetzungsphase. 

Wie verändert sich der Maschinenbau gerade? Welche allgemeinen Trends erkennen Sie, und wie geht Paro darauf ein?

Die kürzeren Durchlaufzeiten und die Komplexität der Produkte steigen stetig, entsprechend auch die Anforderung an die Paro AG. Wesentliche Treiber sind der Anspruch an die Wirtschaftlichkeit, im Sinne von mehr Output, und der Wunsch nach Integration von mehreren Prozessschritten, wie etwa Vision-Anwendungen, in einer Anlage. Die daraus resultierenden Daten werden immer mehr vernetzt – Schlagwort ist da sicher Industrie 4.0. Die Anbindung der Anlage an übergeordnete Systeme, die Auswertung der Daten und die allgemeine Vernetzung der einzelnen Komponenten in der Anlage – das alles sind Anforderungen, denen wir uns vermehrt stellen müssen. 

Montageprozesse sollen durchweg das Tempo steigern können. Wo ist hier die Grenze des technisch Machbaren? 

Die Grenze wird in erster Linie von den Prozessen und deren Komplexität bestimmt. Mit unseren sich gegenseitig ergänzenden Paro-Modulen, wie dem Paro-Blitz oder dem Paro-Motion, und den vielfältigen unterschiedlichen Robotertypen haben wir die Möglichkeit, dynamische und ineinandergreifende Prozesse abzuwickeln. Hilfreich ist dabei die komplett elektrische Auslegung. Dank dieser Möglichkeit haben wir bereits erfolgreich Anlagen bei Kunden im Einsatz, die mit einer Taktzeit von unter einer Sekunde arbeiten.

Wie flexibel ist die Paro-Motion-Zelle? War der Einsatz von Portalen und dem Paro-Blitz nicht flexibler?

Je nach Anforderungen setzen wir auch auf bewährte Portallösungen. Sobald eine hohe Dynamik gefordert wird, können mit dem Paro-Motion eine schnelle Wechselzeit sowie hohe Flexibilität, im Sinne von unterschiedlichen Positionen mit produktspezifischen Parametern in kürzester Taktzeit, realisiert werden. Dank dem modularen Aufbau kann somit eine lineare Montageanlage, bestehend aus mehreren Zellen, die mit dem Transfersystem Paro-Paromat verbunden wird, spezifisch ausgerüstet werden. 

Wie lösen Sie den Aspekt der Zuführung?

Wir können auf eine große Palette von Zuführsystemen zurückgreifen, sei es die flexible Zuführung auf Feeder-Basis oder bei einfachen Teilen mittels Zuführtopf und -schiene. Mit unserem Paro-Stacker können zudem auch Blister zugeführt werden, dies auch ohne Anlagestopp und in sehr kurzen Wechselzeiten von unter einer Sekunde.

Besteht die Möglichkeit eines Dauerbetriebes? Wenn nein, welche Produktionsintervalle sind möglich, bis wieder Materialzufuhr erfolgt?

Gemäß den Anforderungen unserer Kunden konzipieren wir die Anlagen so, dass die geforderten Autonomien eingehalten werden. Mittels Zuführ-Bunker oder Steigförderlösungen und Palettierer haben wir flexible und mehrfach bewährte Lösungen im Repertoire.

Wie beschäftigt Sie das Thema Industrie 4.0 generell in Ihrem Unternehmen, und was resultiert daraus?

Die Einbindungsmöglichkeiten und die Vernetzung der Anlage werden vermehrt gefordert. Wir bieten diesbezüglich unterschiedliche Möglichkeiten von Teileverfolgung über Produktionsdatensammlung an und erarbeiten mit den Kunden gemeinsam die beste Lösung, um die jetzigen sowie auch die künftigen Anforderungen abzudecken. 

Was werden Sie auf der Motek ausstellen?

Wir werden unsere flexiblen lineargesteuerten Module, insbesondere die Weltneuheit, den Paro-Motion, kombiniert mit einem Scara-Roboter und einem Visionsystem präsentieren. Das Ganze wird von einer musikalischen und verspielten Anwendung mit Paro-Blitzen begleitet. Kommen Sie gerne an unserem Stand vorbei und lassen Sie sich »vom Blitz treffen«.

Motek: Halle 5, Stand 5315

Erschienen in Ausgabe: 05/2018

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