Wellpappen-Origami

Knickarmroboter - Drei Dutzend Kuka- Roboter unterstützen bei Tricor in Bad Wörishofen den automatisierten Konfektionier- und Faltprozess von industriellen Wellpappverpackungen – die reibungslose Ausführung ist auch dem »Kuka Customer Service« zu verdanken, wie der Anwenderbericht verdeutlicht.

30. September 2019
Wellpappen-Origami
Der Kuka KR Quantec ist für das Handling von Sonderverpackungen zuständig. (Bild: Kuka)

Der Geruch von Pappe liegt in der Luft. Es wird bedruckt, gestanzt, gefaltet und geheftet was das Zeug hält. Die Wellpappproduktion der Tricor Packaging & Logistics AG arbeitet so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Im Sekundentakt laufen Schwerwellpappkartons für die Automobil-, Chemie- oder Investitionsgüter- industrie vom Band – mittendrin jede Menge Kuka-Roboter.

»2004 haben wir einen Maschinenbauer mit der Entwicklung einer Sonderanlage beauftragt. In der Phase der Inbetriebnahme stand der Integrator jedoch unerwartet nicht mehr zur Verfügung und wir brauchten dringend die Unterstützung spezialisierter Fachkräfte«, erinnert sich Lothar Heinzelmann, Leiter des Bereichs Engineering Projects bei Tricor. Die Uhr tickte, die Produktion musste zum geplanten Termin starten. Einen kompetenten Ansprechpartner fand das Unternehmen im Kuka Customer Service. »Nach dem Anruf von Tricor haben wir sofort reagiert«, erläutert Wolfgang Wanka, Abteilungsleiter für den Bereich Application Programming bei Kuka. Der Kuka Customer Service leistet in Krisen Support – und das möglichst unverzüglich. Aus dieser »Ersten Hilfe« hat sich mittlerweile eine langjährige Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen entwickelt.

Kundendienst 4.0

»Nach der ersten Kontaktaufnahme mit Kuka stand keine 24 Stunden später ein Mitarbeiter des Customer Service bei uns vor der Tür«, schwärmt Heinzelmann. Der Mitarbeiter aus dem Kuka-Service schloss die Grundkonfiguration der Anlage ab.

Zunächst mussten die Programme neu erstellt werden, da diese beim Integratorwechsel verloren gingen. »Nach der Wiederherstellung der Programmierung ging es vor allem darum, Taktzeit- und Ablaufoptimierungen vorzunehmen«, sagt Wanka. Außerdem wurden Schutzbereiche definiert und die Inbetriebnahme der Anlage begleitet. »Durch das schnelle Einspringen des Kuka Customer Service konnte die Anlage termingerecht fertiggestellt werden«, so Heinzelmann. Seitdem hat das Unternehmen für alle Kuka-Roboter Serviceverträge beim Customer Service abgeschlossen. »Das heißt, sollte ein Roboter ausfallen, schickt Kuka sofort einen Service-Spezialisten vor Ort«, erklärt Wanka.

Der Kuka Customer Service steht seinen Kunden nicht nur bei Krisensituationen zur Seite, sondern auch bei der Integration kann er seinen Kundenkreis von Anfang an unterstützen: von der Offline-Simulation über die Auswahl des richtigen Roboters bis zur Optimierung von Produktionsanlagen. Der Service deckt alle Schritte bis zur Inbetriebnahme ab. »Mit proaktiven Services profitieren unsere Kunden von individuellen Applikationsdienstleistungen direkt von Kuka«, verdeutlicht Wanka.

Auf den richtigen Knick kommt es an

Seit der ersten Unterstützung bei der Inbetriebnahme der Anlagen schätzt Tricor den Kuka Customer Service. »Durch unseren Servicevertrag stehen wir in regem Austausch und haben bereits zwölf weitere Konfektionierungsanlagen gemeinsam entwickelt«, berichtet Heinzelmann.

Für das Handling von Sonderverpackungen ist in Bad Wörishofen etwa ein KR Quantec zuständig. Bei den Verpackungen handelt es sich um speziell von Tricor entwickelte Wellpappkartons, die einen integrierten Automatikboden enthalten und sich somit einfach und schnell aufstellen lassen. Der Roboter faltet die Bodenteile der Kartons und setzt diese zusammen. Dazu ist er mit einem knickbaren Vakuumgreifer ausgerüstet, mit dem er die Bodenteile der Kartons präzise faltet und dem weiteren Produktionsprozess zuführt.

Jüngstes Projekt

Das jüngste gemeinsame Projekt von Kuka und Tricor ist ein sensitiver Kuka LBR iiwa, der seinen Einsatz beim Falten und Heften von Kartonzuschnitten findet, die als Wickelpolster Bestandteil einer Verpackung für die Automobilindustrie sind. Die Wellpappbögen werden dazu über ein Magazin in den Arbeitsbereich des Leichtbauroboters befördert.

Mit einem Greifer nimmt der sensitive Roboter den Kartonzuschnitt auf und bricht ihn an der Sollbruchstelle. Anschließend platziert er den Zuschnitt in einer Halterung und faltet, wie beim Origami, aus der Grundform ein dreidimensionales Objekt. Das gefaltete Wickelpolster in Form eines Quadrats führt der Roboter daraufhin einem Heftkopf zu und legt das geheftete Teil an einer Ablagestation ab.

Automatisierung wird gemeinsam ausgebaut

Die Tricor Packaging & Logistics AG ist mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit ausgesprochen zufrieden. Mit großer Zuverlässigkeit übernehmen die Roboter das Konfektionieren der Wellpappkartons im Dreischichtbetrieb und sorgen für effiziente Abläufe. »Mit ihrer nachhaltig hohen Qualität sichern uns die Anlagen einen Wettbewerbsvorteil und entlasten unsere Mitarbeiter von schweren und monotonen Arbeitsaufgaben«, zeigt sich Heinzelmann erleichtert. Die Zusammenarbeit besteht mittlerweile seit über einem Jahrzehnt und soll noch weiter ausgebaut werden. Weitere Automatisierungsprojekte sind bereits in Planung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 18 bis 19